Rückblick | Sunshine overall

Wenn ich jetzt so am Küchentisch sitze und auf die Wiese hinter unserem Haus schaue, kann ich nur staunen, wie sehr sich die Natur in diesen kurzen Aprilwochen verändert hat. Knie hoch steht das Gras, gelbe, weisse und lilane Blumen blühen und die Bäume am Waldrand tragen bereits ihr dichtes, grünes Kleid. In den letzten warmen Wochen ist die Natur geradezu explodiert und mein Tatendurst wurde geweckt. Leider hat darunter aber meine Leselust etwas gelitten, aber vielleicht schauen wir uns das ganze mal etwas genauer an.

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Gelesen

Tja, in Sachen gelesene Bücher bewege ich mich ganz gut in meinem persönlichen Durchschnitt, nichts besonderes an dieser Front also.
Im April regelrecht verschlungen habe ich Das Dänische Mädchen von David Ebershoff. Um Ostern rum habe ich den Film am TV gesehen und als ich dann ein paar Tage später das Buch in der Bibliothek entdeckte, musste es natürlich mit. Und sowohl Film, wie auch Buch sind absolut grossartig gemacht. Beide konzentrieren sich auf ihre jeweiligen Stärken. Das Buch punktet mit vielen Innenansichten und einer grossen Liebe, während der Film mit gewaltigen Bildern spielt und mit tollen Schauspielern auffährt. Ich kann mich definitiv nicht entscheiden, was denn nun die bessere Alternative ist, da sich die beiden einfach wunderbar ergänzen.
Ebenfalls verschlungen habe ich Die störrische Braut von Anne Tyler, was Teil der Shakespear Projektes ist, wo seine alten Werke neu erzählt werden. Und während diese Nacherzählung von Anne Tyler irgendwie noch ganz locker flockig und witzig beginnt, so hat mich dann doch die Begründung der finalen Wendung – nicht die Wendung an sich, denn da war mir schon vor der Lektüre klar, auf was es hinaus laufen würde – aber die Begründung, die hat mich wirklich dermassen gestört. Leider war dies auch gleich auf einer der letzten Buchseiten und so blieb dieser Eindruck bis nach der Lektüre haften. Schade, denn witzige und unterhaltsame Lektüre wäre dieses Buch allemal gewesen.

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Und wer meinem Blog schon etwas länger folgt, der weiss auch, dass ich sicher seit März mit dem Buch Mein Recht zu Rocken von R.T. Fazio kämpfe. Jetzt im April habe ich es endlich beendet und es lässt mich sehr zwiegespalten zurück. Da es ein Rezensionsexemplar war, habe ich lange mit mir gerungen, ob ich nun eine Rezension dazu veröffentliche oder nicht. Nach einem Gespräch mit dem Autor, entschied ich mich dazu, einfach an dieser Stelle hier, etwas ausführlicher auf das Werk einzugehen.
Kurz gesagt geht es in Mein Recht zu rocken um ein italienisches Arbeiterkind, dass seinen Weg im Leben sucht und dabei mit Fremdenfeindlichkeit und Drogen zu kämpfen hat. Zum einen sucht die Lebensgeschichte von Rosario Fazio wirklich seinesgleichen, sie ist geprägt von Höhen und Tiefen. Umso bewundernswerter ist es, wie er sich ein ums andere Mal aus den  zerstörerischen Strudeln heraus gearbeitet und sein Leben komplett umgekrempelt hat. Man spürt, wie ihn seine Musik und sein Glauben durchs Leben tragen und Kraft und Energie geben. Ich wünschte jedem Menschen so etwas in seinem Leben.
Auch die Art und Weise, wie die Fremdenfeindlichkeit thematisiert wird, finde ich äusserst gelungen. Dieser mal mehr, mal weniger direkte Rassismus ist sehr spürbar, vor allem weil ich solche Ausdrücke wie „Dreck-Tschingg“ von meinem Grossvater auch zu hören bekam. Und wenn es um Fussball ging, erlebte ich es sogar in meiner eigenen Schulzeit, dass Mitschüler Sprüche à la „Egal wer gewinnt, aber hauptsache nicht die Italiener.“ losliessen. Traurig, aber wahr. Diese Darstellung des Rassismus war für mich auch der spannendste Teil an der Geschichte, da ich ihn so einmal aus den Augen eines Betroffenen erlebte. Dieser Perspektivenwechsel empfand ich als sehr bereichernd und in einer Zeit von zunehmender Fremdenfeindlichkeit auch absolut wichtig. Die Geschichte schafft so ein Verständnis für die verschiedenen Kulturen und hilft (hoffentlich) Brücken zu bauen.
Womit ich letztlich jedoch Mühe hatte und was das Buch für mich auch zäh zu lesen machte, war der Schreibstil. Auf mich wirkte er eher sperrig und unrund, ich stolperte ganz oft über verschachtelte Sätze und Wortkreationen, die ich mehrmals lesen musste, bis ich die Kernaussage wirklich verstand. Zudem empfand ich manche Abschnitte auch als sehr ausufernd und sich wiederholend, beispielsweise jene, über technische Geräte, die in der damaligen Zeit noch Raritäten waren. Andere waren wiederum sehr kurz und nüchtern gehalten. Ein rechter Lesefluss wollte da bei mir nicht aufkommen. Durch ein persönliches Gespräch mit dem Autor habe ich nachträglich erfahren, dass dieser Schreibstil von ihm gewollt war, da er in seinem Buch auf künstlerische Freiheiten und Ausschmückungen verzichten und möglichst authentisch bleiben wollte.

Aktuelle Lektüre

Und wie jeden Monat lese ich auch jetzt mehrgleisig. So steckt meine Nase nach wie vor in Bis ich dich finde von John Irving, wobei ich das schon eine ganze Weile pausiere. Dann lese ich auch immer mal wieder in den Essays von Rebecca Solnit, wobei ich mich mit einigen mehr identifizieren kann als mit anderen. Ebenfalls im April zu lesen begonnen habe ich Der Boxer von Szczepan Twardoch, welches mir in seiner Nüchternheit und Direktheit unglaublich gut gefällt. Und erst grad gestern habe ich auch noch mit Revolution im Herzen von Claudia und Nadja Beinert begonnen, einer Geschichte über Lenchen Demuth, Karl Marx‘ Dienstmädchen.

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Neuzugänge

Neben Revolution im Herzen ist noch genau ein weiteres Buch bei mir eingezogen und zwar Und damit fing es an von Rose Tremain. Es verspricht eine spannende Geschichte über Freundschaft und Glück in der Nachkriegszeit zu werden.

Und sonst so?

Im letzten Monat steckte ich etwas in einer Blog und Leseflaute, wenn hier ein Beitrag die Woche online ging, so war das ein Wunder und eine enorme Willensanstrengung. Irgendwie habe ich zwar ganz viele tolle Ideen, aber mich mal hin zu setzten und sie runter zu tippen sch***t mich einfach nur an. Entschuldigt die deutlichen Worte. Ich weiss nicht woher das kommt, für jeden Beitrag brauche ich Ewigkeiten, auch an diesen paar Zeilen sitze ich nun sicher seit einer Woche.
Und vom Lesen wollen wir jetzt gar nicht reden. Letzte Woche habe ich so gut wie kein Wort gelesen. An meiner aktuellen Lektüre kann es nicht liegen, die ist nämlich toll. Auch das neue Buch, dass ich nun begonnen habe, liest sich super.
Ich hoffe wirklich, ich bekomme den Beitrag für den Schweizer Vorlesetag, den ich Eliane von Mint & Malve versprochen habe, noch rechtzeitig fertig. Ich gebe also mein Bestes!

Auch an der Wohnungbaufront gibt es Neues zu berichten. Die Plattenbeläge für das Bad und die Dusche sind ausgesucht. Es wird wohl so in die Richtung von Sichtbeton gehen, allerdings in Form von Feinsteinzeugplatten. Das wird sicher ganz grossartig und ich mag kaum mehr warten, bis alles fertig ist. Am liebsten würde ich heute schon einziehen. Im Mai stehen jetzt auch noch einmal ein paar Termine an, so zum Beispiel für die restlichen Bodenbeläge in der Wohnung.

Alles in allem ist mir der April wirklich als sonnenverwöhnter Monat in Erinnerung geblieben. Vom gefürchteten Aprilwetter war nicht viel zu spüren. So gab es einige Sonntagsfrühstücke auf dem Balkon, einen Abend mit Freunden im Biergarten und einige wunderschöne Ausflüge in die Natur. Vom Ausflug an den Oberen Zürichsee habe ich euch ja berichtet und inspiriert durch die wärmeren Temparaturen habe ich meine Serie zu den Jahreszeiten ebenfalls fortgesetzt. Der April war wirklich ein schöner Monat!

Monatsziele

  • die erste Seeumrundung für dieses Jahr schaffen (ja, das habe ich immer noch nicht gemacht, dafür war ich sonst ganz oft in der Natur unterwegs)
  • den Love Ride besuchen
  • aus meiner Lese- und Schreibflaute finden
  • Beiträge für das Bloggestöber, den Schweizer Vorlesetag und den letzten Teil unserer Südenglandreise schreiben

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