Unterwegs | in den Weiten des Dartmoor

Unsere Reise durch den Süden Englands ist nun schon eine Weile her und mit Schrecken habe ich festgestellt, dass ich euch schon länger nichts mehr davon erzählt habe. Im Februar habe ich noch von unseren Erfahrungen mit schmuddeligen B&B’s berichtet, aber danach kam nichts mehr. Nun, das wird jetzt geändert.Unsere nächste Etappe führte uns nämlich ins Dartmoor. Darauf war ich besonders gespannt, da einer meiner Arbeitskollegen Jahr für Jahr mit seiner Familie dort hin in die Ferien fährt und immer wieder begeistert davon berichtet. Und natürlich freute ich mich auch auf darauf, zu sehen, was an all den schaurigen Geschichten aus dem Moor – man denke nur an Sherlock Holmes oder David Hunter – dran ist.

Ein B&B wie zu Oma’s Zeiten

Week_FarmUnsere Unterkunft lag am Rande vom Dartmoor auf der Week Farm in Bridestowe. Das Haus, ein altes Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert wird schon in der vierten Generation von der Familie Hockridge bewohnt und bewirtschaftet. Und so schrullig und liebenswürdig die Gastgeber sind, so schief und krumm ist auch das alte Haus. Der schmale Flur im ersten Stock hängt irgendwie schräg und ich würde da wirklich nur sehr ungern mit dem ein oder anderen Bier zu viel durch torkeln wollen. Und wenn es draussen regnete, roch es in den Zimmern muffig und feucht. Der Geruch verschwand erst, wenn die elektrischen Heizöfen in Betrieb genommen wurden. Auch die Einrichtung ist alt und wie zu Oma’s Zeiten, dort ein Spitzendeckelchen und hier ein bestickter Lampenschirm. Aber es passte, zum Haus, wie auch zur Gastgeberin und zur urchigen Gegend.
Auch kulinarisch entdeckten wir so einige Pub-Perlen und gar das beste Restaurant auf unserer ganzen Englandreise. Im Herzen von Bridestowe liegt das urchige Pub The White Hart Inn, dass abwechslungsreiche und herzhafte Küche serviert. Kulinarisch absolut zu empfehlen ist auch das Pub und Restaurant The Oxenham Arms in South Zeal, dass in einem alten Kloster beherbergt ist. Mitten im Restaurant steht auch der South Zeal Menhir, ein 5000 Jahre alter, mannshoher und aufgerichteter Stein. Ein Besuch lohnt sich also.

Ein Castle und britisches Regenwetter

Gleich am Tag unserer Anreise machten wir noch einen Halt beim Castle Drogo am Rande vom Dartmoor in der Nähe der Ortschaft Drewsteignton. Das Castle Drogo ist das letzte in England gebaute Landschloss. Naja, so wirklich fertig sind die Besitzer nie geworden, denn 1930 ging das Geld aus. Seit 2012 wird das Schloss zudem saniert, da seit Baubeginn vom Dach und den Fenstern her Wasser in das Gebäude dringt. So war das Castle Drogo leider nicht ganz so schön anzusehen und auch die Ausstellung wurde umgestaltet und zeigt die Geschichte des Gebäudes in szenischen Installationen. Sehenswert ist aber nach wie vor der wunderschöne, geheimnisvolle Garten, der übrigens auch mit Geocaches lockt.

Tags darauf planten wir dann unseren ersten „richtigen“ Ausflug im Dartmoor. So wollten wir auf das Belstone Tor. Einige Teile des Dartmoor sind übrigens von Zeit zu Zeit militärisches Sperrgebiet – je nach Flagge, die weht – und das Belstone Tor befindet sich am Rande eines eben solchen. Das war also schon etwas nervenaufreibend…
Ihr fragt euch, was ein Tor ist? Tors sind Felsformationen, die sich unvermittelt aus dem Umland erheben. Insebesondere im Dartmoor oder in Cornwall wird der Begriff Tor auch für den Hügel verwendet, aus denen sich die Tors erheben. Das Wort Tor bedeutet Hügel und ist eines der wenigen keltischen Wörtern, die noch heute in der Umgangssprache gebrauch finden.
Das Belstone Tor liegt in der Nähe der Ortschaft Belstone (wer hätte das gedacht) und ist von dort eigentlich in einem gemütlichen Fussmarsch zu erreichen. Eigentlich. Wenn es nicht gerade Bindfäden regnet. Und das hat es leider am Tag unseres Ausflugs getan. Meine Mama hat bereits am Dorfende wieder kehrt gemacht und sich ins Auto verzogen. Mein Papa, mein Mann und ich trauten uns noch ein bisschen weiter, allerdings erreichten auch wir das Belstone Tor nicht, sondern erklommen nur den kleineren Hügel davor. In der Ferne konnten wir dem Tor dann winken. Allerdings machte es nicht wirklich Spass in diesem Regenwetter zu laufen und das Dartmoor ist halt immer noch ein Moor, so dass wir auch höllisch aufpassen mussten, nicht einen Schuh voll Schlamm mit nach Hause zu nehmen. Und so kehrten auch wir ziemlich bald zurück zum Auto.

Was tun mit dem angebrochenen Tag? Zuerst wollten wir zum Lydford Gorge, aber dieser Ausflug fiel wegen des Regens wortwörtlich ins Wasser und so machten wir uns auf den Weg nach Princetown. Dort steht das Dartmoor Prison, ein Gefängnis wie aus dem Bilderbuch, es war nur schon unheimlich daran vorbei zu fahren. Für interessierte gibt es auch ein Prison Museum. Uns zog es jedoch eher in die Ausstellung zum Dartmoor National Park im Visitor Center, wo wir einiges über die Geologie und die Geschichte dieses Moors erfuhren. Zudem gab es eine kleine Ausstellung mit Bildern und Fotos vom Dartmoor von lokalen Künstlern.

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Das Bellever Tor und The Hound of the Baskervilles

Am nächsten Tag war uns dann zumindest am Vormittag der Wettergott hold und so spazierten wir gemütlich zum Bellever Tor. Die Tour entdeckten wir Tags zuvor in einem Wanderführer im Nationalpark Visitor Center. Sie führte uns zuerst durch einen lichten Nadelwald, Dartmoor_10bevor wir rechts abbiegen mussten, um über eine sumpfige Ebene zu marschieren. Der Weg wurde im Wanderführer wirklich gut anhand von Wegpunkten beschrieben, so dass wir auch ohne Markierungen gut voran kamen.
Etwa in der Hälfte unseres Weges zweigte ein Pfad links ab zu einer Grabkammer und einem kleinen Steinkreis aus der Bronzezeit. Natürlich guckten wir uns dieses Relikt aus längst vergangenen Tagen an, bevor wir den Marsch über die Ebene fortsetzten. In der Ferne liess sich bereits das Bellever Tor ausmachen, allerdings hatte es der Aufstieg dorthin noch etwas in sich. Der Regen der letzten Tage hatte den Boden dermassen aufgeweicht, dass wir besonders acht geben mussten, wohin wir unsere Füsse setzten. Oben angekommen wurden wir mit einem grandiosen 360° Rundumblick belohnt. Auf dem Abstieg wählten wir dann die etwas direktere und einfachere Route entlang der Fahrstrasse.

Da der Tag aber noch nicht zu Ende war, wollte ich gerne das Hound Tor sehen, welches Sir Arthur Conan Doyle zu seiner Geschichte The Hound of the Baskervilles inspiriert haben soll. Überhaupt kam man im Dartmoor nicht an Sherlock Holmes und Watson vorbei. In jedem Visitor Center und allen Buchhandlung liegt die Geschichte um diesen Hund in x Versionen auf.
Das Hound Tor selbst liegt im Herzen des Dartmoor, die Haytor Rocks sind ganz in der Nähe und vom Parkplatz aus sind es keine 10 Minuten Fussmarsch bis zum Tor. Leider zog bei unserem Besuch wieder schlechtes Wetter auf und so blieben wir nicht allzu lange. Vor lauter Hast habe ich mir gar noch den Fuss verdreht und lief für den Rest unseres Aufenthaltes im Dartmoor humpelnd durch die Gegend. Allerdings vermittelte das schlechte Wetter auch wunderbar diese leicht bedrohliche und düstere Atmosphäre, die dem Hound of the Baskervilles anhaftet.

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Humpelnd zum Lydford Gorge

Und schon brach der letzte Tag im Dartmoor an und so versuchten wir unser Glück noch einmal am Lydford Gorge, der ganz in der Nähe unseres B&B’s lag. Der Lydford Gorge ist eine Schlucht, die vom River Lyd durchflossen wird. Besonders eindrücklich ist der 30m hohe Wasserfall, der White Lady genannt wird. Leider schmerzte jedoch mein Fuss noch ziemlich, nachdem ich ihn am Tag zuvor böse verdreht hatte. Für mich hiess es darum Tee und Buch während meine Eltern und mein Mann die Schlucht erkundeten. Allzu schlimm fand ich dass aber ehrlich gesagt auch nicht, da das Tea Room schön warm und vor allem trocken war, während es draussen wieder einmal Bindfäden regnete.

Tja, so waren unsere Tage im Dartmoor geprägt vom wechselhaften und vor allem nassen, britischen Wetter. So manches Mal wurden wir in unseren Unternehmungen ausgebremst. Als wir am letzten Abend die Koffer packten, waren wir doch etwas wehmütig, wir hätten noch so viel vor gehabt.
Aber nun freuten wir uns auf die geschäftige Grossstadt. Denn ja, nach dem verträumten und dünn besiedelten Dartmoor wagten wir uns nach London, ein Kulturschock par excellence. Aber dazu in einem späteren Beitrag mehr.

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