Rezension | Katharina Sommer – Der Da Vinci Fluch

»Wenn ich diese Steine betrachte«, sagte er mit rauer Stimme, »sehe ich durch die Zeit. Zurück in die Vergangenheit.«
Zu diesem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass er dies wörtlich gemeint hatte. Hätte ich es gewusst, hätte ich vermutlich sofort kehrtgemacht, zumindest, wenn ich es noch geschafft hätte. – ca. S. 50

Kurz zum Inhalt

Die Geschichte beginnt mit Carrie, einer Hexe, die jedoch ihre Magie verloren hat. Passiert ist dies am Ende des Schuljahres an der HML, der Höheren Magischen Lehranstalt und der Grund warum sich Carrie nun auf eine „ganz normale“ Highschool vorbereitet. Wie verzweifelt und hilflos sie ist, zeigt sich bereits bei den kläglichen Versuchen ihre roten Haare mit dem Lockenstab zu bändigen. Ihr Leben wird fortan nicht mehr von Zaubersprüchen bestimmt sondern von den ganz „normalen“ Problemen Jugendlicher.
An der neuen Schule findet Carrie schnell Anschluss an die Clique von Valérie, zu der auch deren Freund und Mädchenschwarm Francis gehört. Dieser verhält sich aber äusserst feindselig gegenüber Carrie, was die anderen der Clique damit begründen, dass er verflucht sei. Carrie glaubt das erstmal nicht, bis sie nach einem Missgeschick von Francis ganz deutlich schwarzen Rauch um ihn herum wabern sieht. Allen anderen bleibt dieser Rauch verborgen, da nur Hexen oder andere magische Wesen ihn wahrnehmen können. Für Carrie ist jedoch klar, Francis ist tatsächlich verflucht.
Durch ein Geschichtsprojekt, bei dem mehr über die eigenen Vorfahren heraus gefunden werden soll, verwandelt sich Francis Feindseligkeit Carrie gegenüber plötzlich in verdächtig starkes Interesse. Als er nämlich erfährt, dass sie von einem Schüler Da Vincis abstammt, sieht er seine Chance gekommen, den Fluch der auf ihm lastet zu lösen. Doch wird Carrie ihm bei der Reise in die Vergangenheit helfen?

Wie war’s?

Nun, irgendwie habe ich etwas mehr erwartet von diesem Buch, grad weil es Zauberei und Zeitreisen miteinander verbindet. Vielleicht habe ich aber grad an solche Geschichten auch einfach zu hohe Ansprüche, Der_Da_Vinci_Fluch_1Harry Potter, Scheibenwelt & Co. sei Dank.
Das mit der Zauberei in diesem Buch fand ich noch ganz ok. Es werden alte Hexenrituale und Symbole, der Blutmond und auch die moderne Art der Zauberei, repräsentiert von der Höheren Magischen Lehranstalt, geschickt verknüpft. So gibt es eben jene Kräuterhexen, die mit ihrer Medizin den Menschen und Hexen helfen, aber auch Studenten an der HML, die ihr Magiepotenzial ausschöpfen und erweitern wollen. Diese Aufteilung quasi in Berufslehren und Studiengänge für Hexen und Zauberer fand ich sehr erfrischend und gelungen.
Womit ich hingegen erheblich mehr Mühe hatte, waren die Zeitreisen und das lag grad an mehreren Dingen. Zum einen irritierte mich die Art und Weise wie in der Zeit gereist wurde sehr. Ich möchte da nicht zu viel verraten, aber für mich hatte die ganze Prozedur mehr Ähnlichkeit mit einem schwarzmagischen Ritual, als mit einer präzisen Reise durch die Zeit. Blutopfer, Pentagramme und Gegenstände aus der jeweiligen Zeit stehen für mich in krassem Gegensatz zum Zeitumkehrer von Hermine beispielsweise oder der Tardis von Dr. Who und haben für mich auch rein gar nichts mit Zeitreisen am Hut. Aber vielleicht habt ihr mir da gute Gegenargumente? Lobend erwähnen möchte ich, dass auf die Probleme von Zeitreisen eingegangen wird. So thematisiert die Autorin beispielsweise den Schmetterlingseffekt, der besagt, dass schon kleinste Veränderungen in der Vergangenheit grosse Auswirkungen auf die Gegenwart haben können. Carrie erklärt dem erstaunten Francis, dass »kleine Veränderungen – kleine Preise, grosse – grosse Preise« (ca. S. 112) verlangen. Im Epilog wird dann übrigens auch noch auf das Grossvaterparadoxon angespielt und damit auch gleich verraten, dass es wohl noch einen zweiten Teil der Geschichte geben wird.
Der_Da_Vinci_Fluch_2Ein weitere Punkt, der mich an dieser ganzen Zeitreise Geschichte störte, war die Darstellung des 16. Jahrhunderts. Denn abgesehen davon, dass die gesprochene Sprache plötzlich sehr viel gestelzter (oder rauer, je nach gesellschaftlichem Stand) wurde, hie und da ein Hofknicks angebracht war oder Francis und Carrie erstmal in einem Bordell statt in einer Herberge landeten, wähnte ich mich nicht in einer längst vergangenen Zeit. Dafür war alles irgendwie viel zu … modern, neuzeitlich.

»Du hast mir das Leben gerettet und ich war so gemein zu dir.«
›Auch gemeine Menschen müssen leben, das ist das Gleichgewicht der Natur‹, lag es mir bereits auf der Zunge. Allerdings war er [Francis] mir gegenüber heute so nett gewesen und ich sollte besser Freunde statt Feinde finden, darum lächelte ich. »Immer wieder gerne.« – ca. S. 33

Abgesehen von meinen Kritikpunkten und den Problemen, die ich mit der ganzen Zeitreise Sache hatte, fand ich das Buch solide gemacht. Carrie ist eine sympathische Protagonistin, manchmal etwas impulsiv, manchmal auch beinahe naiv, aber ausgestattet mit einer tollen Portion Sarkasmus, der mich manches Mal laut auflachen lies. Und ihre Kabbeleien mit Francis waren einfach nur lustig zu lesen (gut und auch ein bisschen klischeehaft). Katharina Sommers humorvoller Schreibstil trägt da sicher viel dazu bei. Sie baut kleinere und auch grössere Plottwists ein, so dass sich die Spannung konstant auf einem gewissen Level hält. Das Buch lässt sich somit locker in einem Nachmittag durch lesen. Gegen Ende hin hatte es die Autorin aber plötzlich etwas eilig und die Detailfülle lies merklich nach. So erschienen mir einige Entwicklungen dan doch etwas merkwürdig und ich wurde das Gefühl nicht los, dass die Autorin ihrer Geschichte eine ganz bestimmte Richtung geben wollte.

Fazit

Ich glaube, mit Der Da Vinci Fluch ist Katharina Sommer Strandlektüreein toller Einstieg in die Dilogie rund um Carrie und Francis gelungen, auch wenn ich bezüglich der Zeitreise einiges zu meckern hatte. Ich kann mir vorstellen, dass sich eine etwas jüngere Leserschaft damit ganz gut amüsieren kann. Für ein etwas älteres Publikum, wo ich mich auch dazu zähle, dürfte die Story an manchen Stellen doch etwas flach und vorhersehbar sein.

Weitere Meinungen

»Der Da Vinci Fluch von Katharina Sommer beinhaltet einen guten Mix aus Spannung und Emotionen. Im Fokus stehen hier der Fluch und das Zeitreisen, die Magie gerät leider immer wieder in den Hintergrund.« Charleen’s Traumbibliothek

»Allen die Lust auf einen schönen Zeitreiseroman haben, den kann ich Der Da Vinci Fluch wirklich empfehlen. « Bücherzelt

»Der Da Vinci Fluch von Katharina Sommer ist ein schöner Auftakt der Dilogie mit einer sehr interessanten Idee, die mich im Großen und Ganzen zwar überzeugen konnte und die meiner Meinung nach viel Potential hat.« – Umivankebookie


Über die Autorin

Katharina Sommer wurde 1998 in Graz geboren und wuchs in einer dreiköpfigen Familie, samt Katze, außerhalb der Kleinstadt Gleisdorf auf.
Schon früh entdeckte sie die Leidenschaft zum Schreiben und fand in der Internetcommunity von Wattpad eine große Unterstützung und Motivation welche sie darin bestärkte, ihr erstes Buch zu Ende zu schreiben.
Nach dem Absolvieren der Matura plant Katharina Sommer, neben der Verwirklichung ihres Traumes Autorin zu werden, an der Universität Graz Deutsch und Geschichte auf Lehramt zu studieren. (Quelle: Zeilengold)


Bibliographische Daten

Vielen Dank an den Zeilengold Verlag für dieses Rezensionsexemplar. Meine ehrlich Meinung wurde davon nicht beeinflusst. Die Rechte am gezeigten Cover sowie den zitierten Textstellen liegen beim genannten Verlag.

Der_DaVinci_Fluch_Cover
© Zeilengold
erschienen am 9. März 2018
im Zeilengold Verlag

eBook, 350 Seiten

ebenfalls erhältlich als Taschenbuch

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