Quicktipp | Julia Drosten – Die Elefantenhüterin

»Es machte ihr sehr zu schaffen, dass ihr Vater das Wohl der Familie auf ihre noch nicht einmal zwölfjährigen Schultern gelegt hatte und sie wusste, dass sie niemals versagen, ihr Geheimnis niemals preisgeben durfte. Für die Menschen war sie ein Junge. Doch das letzte, das sie abends vor dem Einschlafen und das Erste, das sie morgens nach dem Aufwachen dachte, war: Ich bin ein Mädchen.«
– aus „Die Elefantenhüterin“ S.36

Kurz zum Inhalt

Ceylon im Jahr 1803 in der Stadt Kandy; Phera wird als Tochter des obersten Elefantenhüters geboren, doch als Erbe braucht die Familie einen Sohn. Phera’s Eltern entscheiden darum, ihre Tochter als Sohn aufzuziehen und stürzen sie so in einen grossen Zwiespalt.
Als dann die Briten Kandy erobern, muss die Familie fliehen. Im Untergrund kämpfen sie gegen das Gewaltregime der Besatzer, doch in ihrem Zufluchtsort in den Bergen kommt es zu einem Massaker, dass Phera für immer verändert. Noch Jahre später ist sie vom Wunsch nach Rache besessen.
Doch ihr Herz spricht eine andere Sprache und fühlt sich zu Regimentsarzt Henry Odell hingezogen. Dessen Bruder Charles ist aber verantwortlich für das Massaker in den Bergen. Wie wird sich Phera nun entscheiden?

Die_ElefantenhüterinMeine Meinung

Ein exotischer Schauplatz, etwas zur Geschichte Sri Lankas, eine grosse Lüge, die ein ganzes Leben bestimmt und ein bisschen Liebe, das sind die Zutaten dieses kurzweiligen Romans. Im Rahmen meiner ersten Blogtour durfte ich in die Geschichte eintauchen und mich verzaubern lassen.

Und über weite Strecken schafft das diese kurzweilige Geschichte auch. Zu verdanken hat sie dies vor allem dem Schreibstil und dem rasanten Ablauf der Ereignisse. Ohne viel Federlesens werden wir Leser*innen in die Geschichte geworfen, welche gleich mit dem Tag von Phera’s Geburt und der Lüge, die von Beginn weg über ihr Leben gelegt wird, beginnt. Schlag auf Schlag folgen nun die Ereignisse, die zum Sturz des Königs, zu Revolten und dem Massaker im Bergdorf führen. Erst danach wird die Geschichte etwas ruhiger und lässt sich mehr Zeit, so dass auch das alltägliche Leben oder die Religion Platz finden.
Und da vermag der Schreibstil des Autoren Duos Horst und Julia Drosten voll zu überzeugen. Mit detailreichen und farbenprächtigen Beschreibungen lassen sie die exotische Welt von Ceylon (dem heutigen Sri Lanka) auferstehen und lebendig werden. Als Leser*innen werden wir Zeuge der harten Feldarbeit, religiöser Feiern oder dem Delirium nach einem Opiumrausch und werden so immer weiter durch die Geschichte getragen, bis zum Ende.

Leider blieben die Autoren thematisch für meinen Geschmack zu sehr an der Oberfläche. Grad die Tatsache, dass Phera ihre Identität verleugnen musste und ihr ein Leben als Junge aufgezwungen wurde, wird meiner Meinung nach zu schnell abgehandelt. Dieser Zwiespalt in dem Phera (angeblich) stecken sollte, kam nicht richtig bei mir an. Ich hatte viel eher das Gefühl, dass es ja noch ganz cool ist, wenn man zwischen den Geschlechtern wechseln und sich mal als junger Mann und mal als junge Frau ausgeben kann. Grad wie es eben passt. Ich glaube diesbezüglich habe ich einfach mehr erwartet, vor allem wenn man auch bedenkt, dass der erste Satz des Klappentextes »Stell dir vor, du musst jemand sein, der du nicht bist.« lautet.
Leider empfand ich auch manche der Charaktere als arg klischeehaft. So zum Beispiel Charles Odell, der als Angehöriger des Britischen Militärs buchstäblich über Leichen geht, um seine Ziele zu erreichen und grausamer nicht sein könnte. Aber auch sein Bruder Henry, der als Regimentsarzt ein Herz für die Sri Lankische Kultur und Bevölkerung hat, Strandlektüresich dem Opiumrausch hingibt und sich auch noch in eine Einheimische verliebt, schreit nur so „Klischee!“.

Alles in allem ist Die Elefantenhüterin aber ein unterhaltsamer Roman, der ein paar müssige Lesestunden beschert. Und dadurch, dass er thematisch auch an der Oberfläche der Dinge bleibt, dürfte er auch eher leicht zu lesen sein. Allerdings sollte man sich doch von ein paar expliziten Beschreibungen und Gewaltszenen nicht abschrecken lassen. Wer also Freude an exotischen Schauplätzen und Geschichte hat, der dürfte mit diesem Buch sicher gut bedient sein.

Weitere Meinungen

»Ein lesenswertes Buch, das den Horizont erweitert. Es ist aus historischer Sicht spannend. Aber auch die Geschichte um Phera herum, die ihre Identität lange verheimlichen muss, ist sehr interessant gestaltet.« Mimis Leseecke

»Das Buch handelt von Liebe und Leid, von Krieg und Gewalt und von der Hoffnung auf ein besseres Leben. Ein farbenprächtiger historischer Roman der besonderen Klasse.« – Leserattes Bücherwelt


Bibliographische Daten

Mein Dank für dieses Rezensionsexemplar geht an das Autoren Duo Julia und Horst Drosten. Meine ehrliche Meinung wurde davon nicht beeinflusst.
Die Rechte am gezeigten Cover sowie den zitierten Textstellen liegen beim genannten Verlag.

Die Elefantenhüterin_Cover erschienen am 8. August 2016
im Selbstverlag

erhältlich als eBook oder Taschenbuch
ca. 426 Seiten

ISBN: B01K3A2WVQ

 

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