Interview | Im Gespräch mit Arja Lobsiger

Bereits im November durfte ich euch ein wunderbares Debütwerk zeigen. Jonas bleibt von Arja Lobsiger ist im August diesen Jahres im Orte Verlag erschienen und überzeugt durch seine bildhafte und poetische Sprache, die ein äusserst schwieriges Thema auf wunderbar leichte Art vermittelt.
Und nun habe ich das Vergnügen euch die Autorin dieses Werkes im Rahmen meines Schweizer Themenmonats ein bisschen eingehender vorzustellen.

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Liebe Arja, herzlichen Dank für deine Bereitschaft zu diesem kurzen Interview, das freut mich sehr. Möchtest du dich meinen Lesern kurz vorstellen?
Gerne. Ich bin 32 Jahre alt, wohne am Bielersee und bin Autorin und Lehrerin. Das Schreiben begleitet mich schon seit dem Kindergarten. Es war lange mein Hobby, bis ich im Jahr 2006 begann, am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel „Literarisches Schreiben“ zu studieren. Im letzten August ist nun mein Debüt-Roman „Jonas bleibt“ erschienen. Meine Freizeit verbringe ich oft in der Natur beim Wandern, Fahrradfahren oder in meinem Garten. Ich lese auch sehr gerne.

Jonas bleibt ist dein erster Roman, magst du uns etwas über seine Entstehungsgeschichte erzählen? Wie bist du an die Geschichte ran gegangen?
Zu Beginn hatte ich nur diese Bild vor den Augen: Jonas in seinem alten, verfallenen Haus. Es interessierte mich, weshalb dieser Mensch alleine dort wohnt. So sind nach und nach durch Recherche, Nachdenken und auch Intuition die anderen Figuren hinzugekommen und die Geschichte entwickelte sich.

Was ist deine grösste Inspirationsquelle? Woher stammen deine Ideen, schöpfst du da auch aus deinem persönlichen Umfeld?
Ich schöpfe einerseits aus eigenen Bildern, Erlebnissen und Begegnungen. Andererseits liebe ich es, anderen zuzuhören. Ich denke, es ist eine Kombination aus verschiedenen Einflüssen, die ich dann zu einer Geschichte webe.

Ich habe gelesen, dass du für Jonas bleibt im Rahmen der Literaturplattform doubles der Migros Kulturprozent mit Hansjörg Schertenleib zusammen gearbeitet hast. Wie muss ich mir diese Zusammenarbeit vorstellen?
Hansjörg war mein Mentor. Wir trafen uns in regelmässigen Abständen zur Textbesprechung. Ich schickte ihm jeweils im Voraus den Text und erhielt anschliessend eine Rückmeldung von ihm. Er hat Korrekturvorschläge gemacht, Fragen gestellt, mir Denkaufgaben gegeben und am Ende den Text lektoriert. Dieser Austausch mit Hansjörg war sehr wertvoll für mich und den Entstehungsprozess des Romans.

Jonas bleibt ist dein erster Roman. Was war die wichtigste oder lehrreichste Erfahrung die du im Entstehungsprozess machen durftest? Würdest du heute noch einmal genau gleich vorgehen?
Die Idee zum Roman hatte ich ja bereits 2009. Damals schrieb ich auch eine erste Version. Irgendwie befand ich mich aber ab einem gewissen Punkt in einer Sackgasse. Daraufhin habe ich den Roman fast drei Jahre in der Schublade liegen gelassen und kaum literarisch geschrieben. Die Idee liess mich aber nicht los. Deshalb begann ich noch einmal ganz von vorn und schrieb den Roman aus einer anderen Perspektive neu. Die Erfahrung, einerseits an einer Idee festzuhalten und andererseits sich von einem Text zu verabschieden, war lehrreich und ich bin froh, dass ich nicht aufgegeben habe.

Welche Tipps gibst du nun mit deinem Erfahrungshintergrund jungen Autor*innen?
Schreibenden, die viel arbeiten und ständig ein Programm haben, so wie ich, empfehle ich, sich in der Agenda Schreibzeiten zu reservieren. Die Ablenkung ist allgegenwärtig. Deshalb lohnt es sich herauszufinden, wo und in welcher Atmosphäre man gut schreiben kann. Lesen ist neben dem Schreiben das A und O. Ich achte darauf, dass ich ein Buch lese, das auf mein aktuelles Schreibprojekt nicht störend, sondern wenn möglich inspirierend wirkt. Sich mit anderen Schreibenden austauschen, den Text jemandem zum Lesen geben, um ein Feedback zu erhalten und dran bleiben sind wichtig. Jonas_bleibt_2Manchmal muss man sich aber auch von einer genialen Idee verabschieden können, weil sie dem Text nicht gut tut.

An dieser Stelle möchte ich mich noch einmal ganz herzlich bei Arja für das Vertrauen und die tolle Zusammenarbeit bedanken.

Jonas bleibt ist am 21. August 2017 im Orte Verlag erschienen. Durch einen Klick auf das Bild gelangt ihr zu meiner Rezension.

Hardcover | 128 Seiten

Das Autorinnenfoto wurde mir freundlicherweise von Arja Lobsiger und Carmen Wuest zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank.

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