Unterwegs | fiese Erkältungsviren und böige Winde

Das berühmt berüchtigte English Weather

Im letzten Beitrag zu meiner Südenglandreise habe ich euch ja erzählt, wie wir in Brighton angekommen sind und wie wir im dichten Stadtverkehr erst einmal eine Ehrenrunde auf der Busspur gedreht haben.
Und nun geht es also weiter mit unseren Abenteuern in Brighton. Allerdings nur mit halber Geschwindigkeit, da ein paar fiese Erkältungsviren meine Eltern ausgeknockt haben. Vor allem meine Mama hatte es ziemlich böse erwischt und so beschloss sie, diesen doch eher trüben und regnerischen Tag im Hotel zu verbringen und sich etwas auszukurieren. So zogen wir halt nur zu dritt los und erkundeten die Seven Sisters.

Die Sieben Schwestern

sevensisters_4Die Sieben Schwestern oder auf englisch Seven Sisters sind eine Küstenlinie aus Kreidefels in der Nähe des Dorfes Birling Gap. Dieser kleine Ort grenzt wirklich direkt an die Klippen und ist dadurch stark von der Erosion bedroht. Einige der Cottages sind bereits abgestürzt oder unbewohnbar geworden. Im Ort selbst führt eine abenteuerliche, den Klippen vorgelagerte Treppe an den Strand. Dieser Punkt scheint besonders für Fotos beliebt zu sein. Wir konnten gar eine Hochzeitsgesellschaft und ein Brautpaar beim Fototermin beobachten. Mit der wolkigen und windigen Stimmung ergaben sich wohl einige schöne Motive für Hochzeitsfotos. Die Seven Sisters selbst ist eine eindrucksvolle Küstenlinie bestehend aus Kreidefels  und acht Kuppen und sieben Senken. Den Namen bekam die Küstenformation wahrscheinlich um 1600 herum, als es nur sieben Kuppen gab. Die achte Kuppe formte sich erst nach und nach durch die fortschreitende Erosion.
In sanften Wellen führt nun ein Weg auf und ab und auf und ab von Birling Gap nach Cuckmere Haven. Ebenfalls ein stetiges auf und ab sind die Windböen, die uns auf den Kuppen manchmal beinahe abheben liessen. Vor allem meinem Papa schlackerte die Jacke doch erheblich um die Knie, hatte er doch aus versehen das Modell von meiner Mama eingepackt, das ein paar Nummern zu gross war.  (Passend zum stürmischen Wetter war übrigens auch meine Ferienlektüre.)

Von Birling Gap führt aber noch ein weiterer Weg den Klippen entlang zum Beachy Head dem höchsten Kreidefelsen von Grossbritannien. Zu seinen Füssen steht einer der eindrucksvollsten Leuchttürme Englands, das Belle Tout Lighthouse. Seit 1902 trotzt er mitten im Meer vor dem Beachy Head Wind und Wetter.
Da wir uns allerdings das Wetter nicht aussuchen konnten und so von Wind und Regen schon gebeutelt waren, nahmen wir diesen Weg nicht mehr unter die Füsse. Gelohnt hätte es sich wahrscheinlich allemal.

Ein herbstliches Pier

Brighton_Pier_1

Am Abend ging es dann meiner Mama soweit besser, dass wir uns noch etwas auf machen konnten zu einem Spaziergang in die Stadt und zum weltberühmten Palace Pier. Der Brighton Palace Pier wurde 1899 eröffnet und ragt seitdem ein paar Hundert Meter ins Meer. Konkurrenz erhielt das Palace Pier durch den West Pier, der 2003 durch mehrere Feuer zerstört wurde. Dort wo einst der West Pier stand, steht heute der Aussichtsturm British Airways i360.
Das Brighton Palace Pier steht zum Glück noch, so dass wir ein bisschen flanieren konnten. Es ist ein riesiger Vergnügungstempel mit Chilbibahnen, diversen Fressständen einer Spielhalle mit alt ehrwürdigen Automaten, Rutschbahnen, Fotoboxen und und und… Auf einer Länge von 525 Metern lässt es sich also spazieren und staunen. Und der Wind bläst einem also auch ganz schön um die Nase, so einen halben Kilometer auf dem Meer draussen. Zum Glück gibt es immer wieder windgeschützte Plätzchen, wo man sich ausruhen und die Aussicht geniessen kann.
Oh, und gefrässige Möwen, die dir die Churros vor dem Mund wegklauen gibt es auch. Also aufgepasst!

So menschenleer ist das Pier übrigens nur im Winter, oder bei diesem typisch englischen Hudelwetter. Uns war’s grad recht.

Ein Gewirr aus Gassen – The Lanes

So viel frische Luft macht hungrig und so machten wir uns nach dem Spaziergang auf dem Pier auf die Suche nach etwas essbarem für unsere Mägen. Ausser Junkfood entdeckten wir nämlich nichts auf dem Pier. So liessen wir uns treiben, bogen mal links, mal rechts ab und landeten in einem Gewirr aus Gassen und noch kleineren Gässchen, den Lanes. Brighton_2Unzählige kleine Geschäfte reihten sich aneinander und ein Pub nach dem anderen buhlte um unseren Hunger.
Wer in den Lanes auf die ewig gleichen Ladenketten hofft, der hofft vergebens. In diesen engen, verwinkelten Gassen lassen sich einzigartige Geschäfte finden. Besonders berühmt sind die Schmuck- und Antiquitätengeschäfte, die wir gefühlt alle paar Meter angetroffen haben. Hier bietet sich also ein einmaliges Bummelerlebnis für jeden Geschmack.
Und auch kulinarisch findet sich in den Lanes alles, was das Herz begehrt. Klassische Pubs und Fish & Chips Buden lassen sich ebenso finden, wie Restaurants für den etwas dickeren Geldbeutel. Wir entschieden uns für ein gemütliches Pub, das Pump House. In einer warmen, wohligen Atmosphäre gibt es da das wohl leckerste Hunter’s Chicken von ganz Brighton und die freundlichste Bardame der Umgebung. Und auch etwas Geschichte gibt es im Pump House, dem Pumpenhaus, wo früher Meerwasser mit einer Handpumpe zu Heilzwecken ins Haus und die umliegenden Gasthöfe gepumpt wurde.

Ja, und am nächsten Tag haben wir Brighton bereits wieder verlassen und sind weitergefahren nach Weymouth, eine feine Küstenstadt mit einer tollen Strandpromenande, wo wir aber leider auch unseren persönlichen B&B Horror erlebten.
Aber dazu dann mehr in einem weiteren Beitrag zu unser Südenglandreise.

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