Unterwegs | Von der Faszination der weissen Klippen

Anfang September war ich zusammen mit meiner Familie für zwei Wochen in Südengland unterwegs. Das war eine spannende, schöne und intensive Zeit und auf Grund einiger etwas unschöner Ereignisse habe ich mich (leider) auch wieder sehr auf die Heimreise gefreut. Aber vielleicht beginnen wir erst einmal von vorne…

Wenn einer eine Reise tut …

Seit mein Mann und ich unsere Liebe fürs Reisen und die nordischen Länder entdeckt haben und ab und an auch ganz stolz von unseren Abenteuern berichten und Fotos herum zeigen, hegen meine Eltern den Wunsch, auch wieder einmal in ferne Länder zu schweifen. Wäre da nur nicht die Angst vor dem Unbekannten, die fremde Sprache und ihre Unerfahrenheit. Meine Eltern sprechen weder Englisch noch Französisch und für geführte Gruppenreisen konnten sie sich nicht wirklich begeistern. So entwickelte sich so langsam aber sicher der Plan, einmal zu viert, als Familie, zu verreisen.
Schnell war ein Reiseziel gefunden, die Flüge und Übernachtungen gebucht. Und dann ging es ans packen. Was brauche ich? Worauf kann/muss ich verzichten? Wie schwer dürfen nochmals die Koffer sein? Und die ID reicht für die Einreise in Grossbritannien, oder? Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viele What’s App Nachrichten da hin und her gingen, die imaginären Drähte liefen heiss. Und der Tag der Abreise rückte immer näher…
Dover_1An besagtem Tag verabredeten wir uns früh genug am Flughafen Zürich, „weisst du, grad da, wo man mit den Rolltreppen von den Bahngeleisen rauf kommt.“ Papa nickte wissend, Mama zuckte mit den Schultern. Wird schon schief gehen.
Aber nein, wir trafen alle pünktlich ein und fanden uns auf anhieb. Und da war es schon zu spüren, die Nervosität, die Anspannung. Mein Papa brachte kaum ein „Guten Morgen!“ über die Lippen und suchte sogleich die nächste Toilette. Und Mama, die war die vermeintliche Ruhe selbst. Wir schafften es also auf den Flieger und das Abenteuer konnte beginnen.

Das mit dem Fahrplan nehmen die Briten nicht so ernst

Nach überstandenem Flug und sicherer Landung in London wurde erst einmal eine Toilette gesucht (das wird sich noch als Thema durch unsere ganzen Ferien ziehen, seid gewarnt) und nach etwas essbarem Ausschau gehalten. Oh und natürlich gebibbert und gehibbelt, ob auch ja all unsere Koffer den Weg von Zürich nach London gefunden hatten. Ja, hatten sie.
Für unsere Reise hatten wir ein schön grosses Auto gemietet und vorab schon einmal geschaut, wo denn der Schalter der Autovermietung versteckt ist. Tja, nicht am Flughafen, sondern in Hounslow, etwa 20 Minuten mit dem ‚Hotel Hoppa‘, einem Bus, der die Hotels in unmittelbarer Flughafennähe abklappert. Und in nicht einmal zwanzig Minuten wären wir auch dort gewesen, wenn denn dieser blöde Bus gekommen wäre. Aber wir standen uns nur die Beine in den Bauch und zweifelten an unserem Sprachverständnis. Allerdings waren wir nicht die einzigen, was wiederum irgendwie beruhigend war.
Am Ende stellte sich heraus, dass einfach mal ein Bus ausgelassen wurde, warum wissen wir bis heute nicht. Aber so kamen wir natürlich eine gute Stunde zu spät bei der Autovermietung an. Und auch dort mussten wir erst einmal warten. Unser Auto war nämlich noch gar nicht auf dem Platz. Als es dann angerollt kam, zogen wir es quasi den Vormietern unter dem Allerwertesten weg. Auf eine Reinigung verzichteten wir, sonst hätten wir sicher noch einmal eine halbe Stunde länger gewartet.
Mit einigen Stunden Verspätung konnten wir dann endlich die Fahrt an die Südküste nach Dover zu den weissen Klippen unter die Räder nehmen.

Dover_2

Die Fahrt nach Dover verlief problemlos und auch unser herziges B&B fanden wir sofort. Das Guston House B&B liegt nämlich etwas ausserhalb der Stadt in einem ruhigen Vorort. Die Zimmer sind liebevoll und gemütlich eingerichtet, alles ist modern. Julie, die Gastgeberin ist sehr herzlich und interessiert. Wer also nach einer Übernachtung in Dover und Umgebung sucht, dem sei diese Unterkunft wärmstens empfohlen.
Und auch das Pub im Ort, das The Chance Inn ist sehr zu empfehlen. Nur einen Steinwurf von unserem B&B entfernt war es einfach nur perfekt für den ersten Abend. Wir hatten genug von der Rumfahrerei und waren einfach nur hungrig und durstig. Das Chance Inn serviert typische Hausmannskost, Fish & Chips, Sausages & Mash und Burger. Die Teller waren schön angerichtet und es hat geschmeckt. Was will man mehr!

Weisse Klippen & grosse Schiffe

Tags darauf, also am Sonntag nutzten wir das herrschaftliche Wetter zu einem Spaziergang an den berühmten weissen Klippen und zum South Foreland Lighthouse bei St. Margaret’s at Cliffe. Dabei boten sich uns spektakuläre Aussichten auf den Hafen von Dover. Mein Papa konnte sich kaum satt sehen an den grossen Frachtschiffen, den Fähren und an dem Betrieb, der auch an einem Sonntag herrschte. Auch meine Mama war total fasziniert und so legten wir die ein oder andere Rast ein.
Dover_3Mein Mann, mein Papa und ich machten uns dann noch an den Abstieg zu einem alten Schiffswrack. Der Weg wurde direkt in die weissen Felsen gehauen und führte in steilem Zickzack hinunter zu den Wellen. Kurz vor dem Strand war dann aber leider Schluss, da eine Leiter aus der Verankerung gerissen wurde und so konnten wir den kleinen Kiesstrand nur von oben bestaunen. Das Wrack konnten wir leider auch nicht entdecken, da wir Landeier natürlich während der Flut hinunter gestiegen sind. Bei Ebbe wäre es zu entdecken gewesen.

Auf dem Weg zum Leuchtturm entdeckten wir immer wieder spektakuläre Felsformationen und alles leuchtete in den schönsten Farben. Der Leuchtturm von St. Margaret’s at Cliffe war der erste seiner Art, der elektrisches Licht für seine Leuchtfeuer verwendete. Wir hatten allerdings keine Lust auf eine Geschichtsstunde sondern verspürten einen kleinen Hunger. So besuchten wir das malerische Tearoom von Mrs. Knotts und genossen den ersten Cream Tea in England.

Auch St. Margaret’s at Cliffe ist ein malerisches, englisches Dörfchen und es lohnt sich einmal durch die Gassen zu streifen und an die Bay zu fahren. Dort hatte so mancher Dichter und Denker sein Ferienhaus, Ian Flemming, der Bond-Macher zum Beispiel.
Gleich an der Bay befindet sich auch das Restaurant The Coastguard mit einmaligem Ausblick auf die Bay und – bei schönem Wetter – die Küste von Frankreich. So nahe an Frankreich waren wir auf der ganzen Reise nicht mehr. Auch dieses Restaurant/Pub kann ich euch nur empfehlen.
Für alle die an Geschichte interessiert sind, ist das Dover Castle sehr zu empfehlen. Zahlreiche Ausstellungen zu unterschiedlichen Themen locken die Besucher. So gibt es eine geführte Tour durch das Underground Hospital, Ausstellungen über die Mittelalterlichen Festungsanlagen, Greifvogelshows und unzählige Vorführungen zum Leben auf der Burg. Und vom grossen Turm geniesst man eine fantastische Aussicht über das Hinterland von Dover und über den Ärmelkanal.

Und so gingen ein paar schöne Tage im White Cliffs County zu Ende. Unsere Reise führte uns dann weiter nach Brighton, zu den Seven Sisters und dem berühmten Brighton Palace Pier. Aber davon mehr in einem nächsten Beitrag.

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