[Plauderecke]: Geliebt, gelobt, gehypt – Dem Phänomen „Hype“ auf der Spur

»Ich wünsche mir so sehr, dass alle Büchernarren unserer Welt, dieses Buch lesen. Es ist so wichtig und gibt uns so viel!
Wer dieses Buch nicht liest ist selbst Schuld!
Diese Serie ist einfach fantastisch, ein absolutes MUSS für alle Fantasyfans!«

So oder so ähnliche Aussagen lese ich in den letzten Monaten immer häufiger auf diversen Blogs. Und dabei bezieht sich dies ja nicht immer nur auf Bücher, manchmal geht es auch um Filme oder TV-Serien, Beautyprodukte oder Ernährungstrends. All diesen Beiträgen gemeinsam ist, dass sie einen Trend oder Hype um ein Buch, ein neues Multimediagadget oder einen Lebenstil anheizen und nicht abklingen lassen.

Aber wie entsteht ein Hype, woher kommt er und was macht er mit uns? Und ist es schlimm, wenn man nicht jeden Trend mitmacht?

Wie ein Hype entsteht

Ein Hype ist nichts planbares, viele verschiedene Faktoren müssen zusammenspielen, damit er entsteht und anhält. Und immer ist auch eine grosse Portion Glück und Zufall mit dabei. Müsste man einen Hype ganz allgemein definieren, so könnte dies in etwa so Hypeaussehen: Ein Hype ist etwas, was über einen gewissen Zeitraum gesehen, durch besondere Popularität hervorsticht (Quelle).
Es gibt keinen Kriterienkatalog, der besagt, was morgen cool sein wird. Es ist also viel Glück dabei, »wenn ein Produkt oder Angebot genau den Nerv der Zeit trifft« (Quelle) und dann von Trendsettern und Influencer angenommen, genutzt und verbreitet wird. Und im Zeitalter der modernen Informations- und Kommunikatiosntechnologien verbreiten sich Links, Bilder und Videos in Windeseile. Auf beinahe allen Kanälen werden uns ja Produkte angeboten, sei dies im TV, am Radio, oder auf Social Media Plattformen. So bahnen sie sich unweigerlich einen Weg in unser Bewusstsein.
Wenn dann erst einmal die kritische Masse erreicht und überzeugt ist, dann wird aus so einem Hype ein Selbstläufer. Dabei spielen vor allem psychologische Faktoren eine Rolle, das Herdentierverhalten des Menschen beispielsweise und die Angst davor, ein Aussenseiter zu sein.

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Was ein Hype mit uns macht

Nun kommen wir zum spannenden Teil, nämlich, was ein Hype mit uns macht. Auf die psychologischen Faktoren des Herdentriebs bin ich ja zuvor schon ein wenig eingegangen. Der Mensch ist manchmal ein Herdentier und die Herde gibt Sicherheit (Quelle). Weil wir beispielsweise die Qualität aller möglichen Bücher gar nicht richtig einschätzen können, orientieren wir uns an anderen und kaufen meistens doch das, was diese kaufen. HerdeEinen ähnlichen Zweck erfüllen übrigens auch Musikcharts oder Kinofilm Rankings. Sie helfen uns, eine Entscheidung zu fällen. Was alle gut finden, kann doch nicht so schlecht sein, oder? So sind wir, nicht alle und auch nicht immer, aber viele doch viel zu oft. Wir sind längst nicht so individuell, wie wir das gerne wären. Es ist schwierig, dem Impuls, dem »Diktat der Gruppe« zu widerstehen.

Durch die Werbebranche wird zudem gezielt mit den Emotionen von uns potentiellen Kunden und Konsumenten gespielt. Bereits Gustave LeBon schrieb in seinem Werk »Psychologie der Massen«, dass, um Menschen massenhaft zu überzeugen, vor allem deren Emotionen angesprochen werden müssen (Quelle). Und das war 1895.

Aber ist dies nun schlecht? Oder irgendwie verwerflich? Ich für meinen Teil finde nein, ist es nicht. Hypes und Trends dienen uns als Wegweiser und Entscheidungshilfen in einer Fülle von Informationen und es ist ein Trugschluss zu denken, man sei dagegen immun.
Ich finde es gar nicht schlimm, sich bei seiner Entscheidungsfindung auf die Meinung anderer zu stützen. Solange man seinen eigenen Geschmack und sein Bauchgefühl nicht vergisst.

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Wie wir zu Hypes stehen

Ha, das ist die Frage der Fragen. Wie stehen wir eigentlich zu Hypes oder gehypten Produkten? Dafür eine Antwort zu finden ist wohl so gut wie unmöglich, gibt es doch 7.5 Milliarden Menschen auf der Welt. Jeder einzelne wird da wohl so seine eigene Strategie entwickelt haben. Demzufolge kann ich nur von mir sprechen und wie ich zu Hypes stehe. Also sollte die Überschrift wohl besser »Wie ich zu Hypes stehe« lauten.

Wie bereits im vorangegangenen Abschnitt angedeutet, stehe ich Hypes nicht absolut ablehnend gegenüber, allerdings beobachte ich sie auch mit einer guten Portion Skepsis und Vorsicht. Denn natürlich sehe ich da eine clevere Marketingstrategie und ein Spiel mit unseren Emotionen dahinter. Aber nur schon durch mein Bewusstsein für diese Mechanismen empfinde ich meinen Umgang mit Hypes als wesentlich reflektierter und bewusster.
Hypes nerven mich dann, wenn eine eigentlich gute Sache fanatisch propagiert wird und einem das Gefühl gegeben wird, ein schlechter Mensch zu sein, weil man nicht mitmacht. Oder weil auf gefühlt allen Blogs enthusiastisch über ein Buch berichtet wird und irgendwie einfach keine kritischen Stimmen zu finden sind. Das übersättigt mich und schürt Erwartungen an das Buch, die objektiv gesehen ja gar nicht erfüllt werden können.
Hypes haben aber auch ihr Gutes, so öffnen sie uns die Augen für Bücher, Lebensstile oder Produkte, die wir sonst gänzlich links liegen gelassen hätten. In den letzten Monaten habe ich Bücher entdeckt und gelesen, die ich noch vor einiger Zeit nicht einmal in die Hand genommen hätte. LückeUnd ja, es erleichtert so einiges, wenn man sich auf die Meinung anderer stützen kann.
Letzten Endes muss wohl jeder seinen eigene Weg finden und versuchen sich selbst treu zu bleiben. Leben und leben lassen.

So unterhaltsam und lustig ein Trend sein kann, so anstrengend kann es auch sein immer und überall mitzumachen. Immer den neusten Büchern nach hetzten, oder schon wieder eine neue Jeans kaufen, weil die jetzt unbedingt Löcher drin haben müssen, kann ganz schön stressig und zeitaufreibend sein. Und seien wir mal ehrlich, mitunter geht so ein Hype auch ganz schön ins Geld. Oder habt ihr grad die hunderte von Franken für das neuste iPhone übrig?

»Manchmal brauchen wir wohl einfach ein bisschen Mut zur Lücke. Die innere Souveränität, die dadurch entsteht, ist übrigens ziemlich trendy!« (Quelle)


Weitere lesenswerte Beiträge zum Thema:

Mysterium Hype und was er mit uns macht | Der Hype um die Bestseller oder: Du musst dein lesen ändern | Montagsfrage zum Thema »gehypte Bücher«

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Verfasst von

Ich liebe Bücher, Katzen und Menschen. Und zwar in dieser Reihenfolge. Ausserdem koche und backe ich sehr gerne und liebe es auf Entdeckungsreise zu gehen.

9 Kommentare zu „[Plauderecke]: Geliebt, gelobt, gehypt – Dem Phänomen „Hype“ auf der Spur

  1. Guten Morgen! 🙂
    Die Frage um den Hype ist ja auch immer ein wenig „Wie viel ist gut und wann ist es zu viel?“ Die Ubersättigung setzt bei mir auch recht schnell ein, wenn ich an jeder Ecke von dem gleichen Buch erschlagen werde, wenn etwas einfach omnipräsent ist.

    Ich vergleiche das gern mit Britney Spears damals. Als sie stündlich in Radio und Fernsehen, Zeitschriften etc zu hören und zu lesen war, da ging sie mir sehr auf die Nerven. Aber als sie sich dann den Kopf schor und keiner die mehr beachtete, da mochte ich sie dann. So ähnlich handhabe ich das mot den Büchern. Sind sie zu präsent, will ich sie nicht, weiß aber worum es geht. Wenn sich die Lage dann entspannt hat, dann werfe ich einen genaueren Blick darauf. 🙂

    Liebe Grüße!
    Gabriela

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo 🙂

    Also ich finde Hypes an sich auch nicht schlimm. Außer sie sind absolut nicht nachvollziehbar. Wenn zum Beispiel etwas nur deshalb so gehyped wird, weil ein Star es erwähnt hat. Aber ansonsten denke ich, dass ein Hype nicht grundlos entsteht. Es muss also schon was dran sein, wenn so viele sagen, dass ein Buch, ein Film oder sonst was sehr gut ist!

    Ob man wirklich jeden Hype mitmachen muss: Nein. Ich zumindest mache das nicht. Mag ja sein, dass das Buch so und so super ist, aber wenn es absolut nicht zu meinem bevorzugten Genre gehört, werde ich es auch nicht lesen.

    Danke für deinen tollen Beitrag!

    Liebe Grüße,
    Pia!

    Gefällt 2 Personen

    1. Huhu Pia,

      Ich finde auch, man muss sehr genau abwägen, was will ich wirklich lesen/sehen ect. Aber manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich etwas plötzlich beginne zu mögen, einfach weil es mir genügend of präsentiert wurde. Und da muss ich dann für mich selbst einen Stopp ziehen.
      Das finde ich, ist manchmal das fiese an Hypes, diese Omnipräsenz, aber grundsätzlich sehe ich das wie du. Jeder Hype muss nicht mitgemacht werden.

      Herzlich, Nela

      Gefällt 2 Personen

  3. Liebe Nela,
    danke für den interessanten Beitrag.
    Vor kurzem habe ich mit mehreren Verlagsmenschen und einer Selfpublisherin über Hypes geschrieben und werde die Antworten bald in einem Beitrag zusammenfassen.
    Die Idee, andere thematisch passende Links drunter zu setzen finde ich toll, darf ich das dann auch so machen, und natürlich auch deinen Beitrag einfügen?

    Zum Thema Hype kann ich sagen, dass ich manchmal unbewusst (weil ich keine Zeit habe, kein Geld, kein.. was weiß ich) Bücher erst viel viel später lese, also wenn der Hype etwas abgeflacht ist.
    Aber manchmal springe ich mit auf den Hypetrain und finde es aber auch nicht schlimm. Manchmal wurden meine Erwartungen nicht erfüllt, aber die Enttäuschung wäre vermutlich nicht kleiner, nur weil nicht 5 Blogger vorher gesagt haben, dass das Buch großartig ist. Dann ist es halt einfach nicht meins.
    Ich glaube, dass viele, die sich gegen die Hype-Bücher wehren und aus Trotz sagen, dass sie sie nun erst recht nicht lesen werden, dem Hype an sich zu viel Gewichtung zusprechen. Kaum wird eine Neuerscheinung auf 5 Instagram Profilen geposted sprechen sie von Hype. Das sehe ich anders. Und klar gehen Marketingprogramme oft in die Hose, wenn viele Blogger das selbe Buch erhalten und es zeitgleich auf allen Kanälen posten und viele Leute davon genervt sind. Aber auch da gebe ich dem Buch eine Chance, auch wenn ich meist erst mal etwas Zeit vergehen lasse. 🙂

    Liebe Grüße,
    Nicci

    Gefällt 1 Person

    1. Huhu Nicci,

      natürlich darfst du die Idee übernehmen und über die Verlinkung freue ich mich jetzt schon. Und natürlich auch auf deinen Beitrag 😊

      Wie gesagt, Hypes sind nicht einfach nur schlecht und letzten Endes entscheidet (hoffentlich) immer der eigene Geschmack, ob etwas gefällt oder nicht.

      Grüessli aus dem verregneten Dartmoor! 👋🏼

      Gefällt 1 Person

  4. Ein super Beitrag! Inhaltlich bin ich da voll bei dir. Um solche Hypes mal etwas genauer und objektiver unter die Lupe zu nehmen, habe ich auf meinem Blog die Kategorie ‚Worth the Hype !?‘ aufgenommen. Ich bin nämlich zunächst auch etwas kritisch was so manchen Hype angeht 😉 liebe Grüße, Isabell

    Gefällt 1 Person

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