[Unterwegs]: in den Tälern des Tessin

Lange hab ich euch ja schon einen kleinen Bericht über unser Abenteuer im Tessin versprochen und nun komme ich endlich dazu ein paar Worte zu verfassen.

Als erstes möchte ich auf unsere Unterkunft eingehen, denn die war wirklich speziell und heimelig. Einer meiner Arbeitskollegen besitzt ein kleines Rustico in Gordevio. Dieses Dorf liegt am Eingang des Maggia Tals unweit von Locarno. Ab und an vermietet er das Häuschen an Freunde und Bekannte, so dass die Kosten für den Unterhalt gedeckt werden können.
Und das Häuschen ist wirklich einmalig, es fehlte nur der Ofen und die Kochstelle über offenem Feuer, so dass es noch so richtig authentisch gewesen wäre. Aber natürlich gibt es auch ein bisschen Luxus, obwohl dieses Wort übertrieben ist, denn eigentlich ist alles sehr einfach gehalten. Es gibt weder Internet, noch TV und auch die Dusche ist eher gewöhnungsbedürftig. Aber wir hatten Strom und elektrische Herdplatten. Immerhin.

Wir fühlten uns also wirklich ein klein wenig in der Zeit zurück versetzt…

Natürlich haben wir nicht nur diese einmalige kleine Unterkunft genossen, sondern haben auch so einiges unternommen und sowohl das Maggia- wie auch das Verzasca Tal entdeckt.
Unsere erste Tour führte uns etwas weiter ins Maggia Tal, bis in den hintersten Winkel. Und zwar nach Mogno. Dieser kleine Ort wurde in den 80er Jahren von einer Lawine fast vollständig zerstört, unter anderem wurde auch die Kirche des Dorfes niedergemäht. Zum Glück weilten zum Zeitpunkt des Lawinenniederganges keine Menschen im Dorf, so dass niemand zu Schaden kam. Ende der 90er Jahre wurde die Kirche dann nach einem Entwurf von Mario Botta wieder aufgebaut. So steht in diesem kleinen, altertümlichen Dorf eine der modernsten Kirchen, die ich kenne.

Gleich neben der Kirche führt ein Wanderweg auf breiten Fahrsträsschen (nicht auf der Autostrasse) gemütlich den Hang entlang aufwärts ins nächste Dörfchen, nach Fusio. Dieses Dörfchen schmiegt sich an den Hang und hat noch viel seines ursprünglichen Charakters bewahrt. Neben alten Getreidespeicher, ist auch eine Mühle und ein Waschhaus zu bestaunen. Neu findet sich auch das Hotel Fusio grad am Eingang des kleinen Dorfes. Die alten Gebäude wurden auf liebevolle und schonende Art restauriert und modernisiert. Ein Abstecher lohnt sich, und sei es nur für einen kalten Drink.

Hinter dem Dörfchen und auf der anderen Seite der Maggia führt dann ein etwas felsiger Wanderweg wieder hinunter nach Mogno. Auf diesem Weg bieten wich wunderschöne Aussichten in einen Märchenwald, auf die gegenüber liegende Hangseite und auf die wilde Maggia selbst.

Aber nicht nur das Maggiatal, oder auf italienisch Vallemaggia, bietet so einiges zu entdecken, auch im Valle Verzasca, oder Verzasca Tal gibt es das ein oder andere schöne Fleckchen.
Ich persönlich empfinde ja das Valle Verzasca als wesentlich enger und wilder, was aber wahrscheinlich nur eine persönliche Empfindung von mir ist. Dennoch hatte ich grad in den Dörfchen auch eher das Gefühl, dass stärker auf Tourismus abgezielt wird, als im Vallemaggia, was ja per se nichts schlechtes ist. Aber grad das Dörfchen Sonogno hatte ich noch viel ursprünglicher in Erinnerung. Kulinarisch sehr zu empfehlen ist das Grotto Efra etwas ausserhalb vom Dorf, wo typische Tessinerküche serviert wird.
Und auch bei der berühmten Brücke in Lavertezzo, ein paar Ortschaften weiter vorne, wurden wir ziemlich überrascht von den Menschenmassen. Fast schon wie bei uns zu Hause am See… Aber dennoch ist das glasklare und türkisblaue Wasser der Verzasca an dieser Stelle einfach wunderschön anzuschauen und ein, zwei, drei Fotos wert.

Die Pontei dei Salti ist wohl die bekannteste Ansicht im Tessin, beinahe auf jeder Postkarte ist sie zu finden. Die Brücke wurde im 17. Jahrhundert gebaut und ihre Mauern sind so niedrig, dass es grad ein bisschen Mut erfordert, darüber zu gehen. Im Sommer ist hier auch ein beliebter Badeplatz, wie auf den Bildern unschwer zu erkennen ist.
Aber aufgepasst! Was hier so vergnüglich und friedlich ausschaut kann tödlich enden. Die Verzasca ist ein bitter kalter Gebirgsbach, der durch Engen und über Schwellen fliesst und so so manchen tückischen Wirbel bildet. Und auch die Kälte des Wassers darf nicht unterschätzt werden. Als wir uns an ein Bad wagten, schmerzte die Kälte trotz gutem und langem anklimatisieren auf der Brust.

Auf dem Weg zurück erkundeten wir noch ein Dörfchen, das etwas oberhalb der Talsohle liegt. Corippo ist wohl das urtümlichste aller Tessinerdörfer und noch komplett so erhalten, wie anno dazumal. Heute steht das Dorf mit seinen Steinhäusern, die alle in die selbe Richtung blicken unter Denkmalschutz. Die engen, verwinkelten Gassen laden zum Streunen ein.

Unseren Kurzurlaub liessen wir dann in Locarno ausklingen, flanierten durch die Gassen, guckten in die Schaufenster und gönnten uns eine richtig italienische Pizza. Es ist halt doch irgendwie ein bisschen Italien im Tessin.

Locarno_1

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Veröffentlicht von

Ich liebe Bücher, Katzen und Menschen. Und zwar in dieser Reihenfolge. Ausserdem koche und backe ich sehr gerne und liebe es auf Entdeckungsreise zu gehen.

10 thoughts on “[Unterwegs]: in den Tälern des Tessin

      1. Ohne WLAN oder Internet das tue ich mir nicht an – weil dann permanent Stress mit den Pubertären :-)) Nene, das genieße ich mit meinem Mann zusammen in Ruhe 🙂 Habe die Orte aber gerade schon meinem Bruder genannt – ich denke, dem würde es da auch gefallen….

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      2. Ohne Internet und TV war ja nur unser Häuschen 🙂 Unsere Nachbarn waren da auch wesentlich moderner unterwegs, jedenfalls konnten wir auf dem Händy so einige Netzwerke entdecken.
        Aber es gibt ja auch andere Unterkünfte und Ferienwohnung, die über diese modernen Errungenschaften verfügen.

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