[Buchbesprechung]: „AchtNacht“ von Sebastian Fitzek

»Der Polizist rollte etwas genervt mit den Augen, reichte ihm aber die Karte. Und gab Ben damit den entscheidenen Hinweis, der ihm noch gefehlt hatte.« (S. 131)

Erster Satz

»Hier ist der Anruf für Sie.«

Verlagstext

Es ist der 8. 8., acht Uhr acht.
Sie haben 80 Millionen Feinde.
Werden Sie die AchtNacht überleben?

Stellen Sie sich vor, es gibt eine Todeslotterie.
Sie können den Namen eines verhassten Menschen in einen Lostopf werfen.
In der „AchtNacht“, am 8. 8. jedes Jahres, wird aus allen Vorschlägen ein Name gezogen.
Der Auserwählte ist eine AchtNacht lang geächtet, vogelfrei.
Jeder in Deutschland darf ihn straffrei töten – und wird mit einem Kopfgeld von zehn Millionen Euro belohnt.

Das ist kein Gedankenspiel. Sondern bitterer Ernst.
Es ist ein massenpsychologisches Experiment, das aus dem Ruder lief.
Und Ihr Name wurde gezogen!

Der neue Blockbuster von Sebastian Fitzek, dem „Meister des Wahns“ – exklusiv im Taschenbuch. (Quelle: Droemer Knaur)

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Meine Meinung

An meinen zweiten Fitzek ging ich mit ziemlich hohen Erwartungen ran und vielleicht waren diese entscheidend dafür verantwortlich, dass mich das Buch nicht so ganz überzeugen konnte. Obwohl ja eigentlich die Ausgangslage nicht spannender sein könnte.

Am 8.8. beginnt um 20.08Uhr eine Hetzjagd die ganze 12 Stunden dauern soll und an der jeder und jede Teilnehmen kann. Stress mit dem Chef? Kein Problem, setz ihn einfach gegen eine Gebühr auf eine Abschussliste im Internet. Auch die Nachbarin, die ständig nörgelt, kann darauf landen. Am 8.8. wird dann aus diesen Personen per Zufallssystem eine gezogen, die für die Dauer der AchtNacht vorgelfrei ist. Derjenige, der den Achtnächter zur Strecke bringt und den entsprechenden Beweis auf der Website hochlädt, gewinnt eine Prämie von 10 Millionen Euro. Und das ganze ist auch noch von der Bundesregierung genehmigt und somit straffrei.
Gibt es nun Menschen, die der Verlockung des Geldes nicht wieder stehen können und die gute Kinderstube und all ihre Prinzipien über Bord werfen?Und noch viel spannender, wie reagierst du, wenn dein Name gezogen wird?
Genau dieser Erfahrung müssen sich die beiden Protagonisten Ben und Arezu stellen, da sie durch die Todeslotterie gezogen wurden. Eine Hetzjagd durch Berlin beginnt.

»Irgendwo hatte Ben gelesen, dass es statistisch gesehen fünf Prozent Idioten in jeder Gesellschaft gab. Also vier Millionen allein in Deutschland.« (S.123)

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AchtNacht ist ein sehr geschickt konstruierter Thriller, der den Leser das ein oder andere Mal den Atem anhalten lässt. Bereits nach den ersten Seiten sind wir mitten in der actiongeladenen Story und rasen quasi durch ein nächtliches Berlin, in dem überall Gefahren lauern. Klingt gut, oder? Und trotzdem ist gerade diese Konstruiertheit (gibt es dieses Wort überhaupt?) ein grosser Haken für mich.
Grad in der heutigen Zeit denke ich, dass ein solches Szenario einer Hetzjagd angezettelt in den sozialen Medien, durchaus wahrscheinlich sein kann. Solche Internetmobs hat es ja auch schon gegeben. Und auch wenn ich persönlich an das Gute im Menschen glauben, weiss ich auch, dass es genügend berechnende und skrupellose Exemplare dieser Spezies gibt, die sich über all die moralischen und ethischen Bedenken hinweg setzten und bei einer eben solchen Hetzjagd mit Freuden mitmachen würden. Und trotzdem empfand ich manche Wendung im Buch als konstruiert, gewollt und so konnte ich mir nur sehr schlecht vorstellen, dass dies wirklich passieren könnte (abgesehen davon, hoffe ich auch, dass es nie nie nie passiert!). Vieles wirkt zu schnell, zu aufgesetzt. Das schaffte für mich eine gewisse Distanz zu den ganzen Geschehnissen, die über das gesamte Buch hinweg bestehen blieb. Irgendwie wurde ich einfach nicht warm mit der Geschichte.

Hervorzuheben ist der Aspekt der Fake News, die sich durch die sozialen Medien rasend schnell verbreiten. Wenn es alle teilen, rebloggen, retweeten, wird es dann nicht automatisch wahr? Was passiert, wenn einige diesen Schwachsinn zu ernst nehmen? In wie weit können sie dann noch zur Rechenschaft gezogen werden, sie haben sich ja im Recht gefühlt, gedacht, es sei wahr? An manchen Stellen vermag Sebastian Fitzek diese Kritik anzubringen, viel zu oft bleibt sie aber in den Oberflächlichkeiten stecken und die Protagonisten haben keine Zeit sich darüber Gedanken zu machen. Viel mehr müssen sie schauen, wie sie diese Nacht überleben.

»Sie kommen!«, mahnte Arezu, und Ben setzte sich in Bewegung.
Mit dem Lärm einer über ihnen sich zusammenrottenden Meute und Arezus Handykamera im Nacken.
(S. 329)

8Nacht_1Durch dieses Tempo ist es dann auch nicht verwunderlich, dass die Charaktere und deren Entwicklung etwas auf der Strecke bleiben. Weder nahm ich Ben das Looser-Image ab, noch wurden für mich Arezus psychische Probleme wirklich sichtbar.

Erst auf den letzten 100 bis 150 Seiten vermag mich das Buch dann wirklich zu packen. Dann, als sich der Nebel so langsam zu lichten beginnt und klar wird, wie und wo die einzelnen Figuren in dem ganzen Gefüge stehen, wer die Fäden in der Hand hält.
Aber auch hier stört mich wieder dieses Konstruierte, Gewollte. Ich hatte das Gefühl, dass Sebastian Fitzek einfach unbedingt ein originelles Ende wollte, etwas womit der Leser nicht rechnet. Denn ja, mit diesem Ende konnte mich Fitzek zwar überraschen, aber ganz gewiss nicht begeistern oder zufrieden stellen. Das Ende schreit gerade zu nach Effekthascherei. Ich denke, dem Thriller hätten hier ein paar Seiten mehr gut getan, um der Geschichte mehr Raum zu geben und auch den Figuren mehr Zeit zu lassen, sich zu entwickeln.

Fazit

Leider konnte AchtNacht von Sebastian Fitzek meine Erwartungen nicht erfüllen. Trotz der spannenden Ausgangslage bleibt dieses Gedankenexperiment sehr oberflächlich und punktet alleine durch sein rasantes Erzähltempo und den kurzen und knappen Schreibstil von Fitzek. Strandlektüre
Doch genau durch dieses Tempo fehlte es den Figuren, wie auch der Geschichte an Raum und Zeit sich zu entwickeln und etwas in die Tiefe zu greifen. Viele Gedankengänge blieben so an der Oberfläche stecken und wirkten mehr als Effekthascherei, als als wirkliche Kritik am System.
Dank der originellen Idee und dem wirklich spannenden Konzept rutscht AchtNacht dennoch in die Kategorie Strandlektüre.


Über den Autor

Sebastian Fitzek wurde 1971 in Berlin geboren. Er studierte Jura bis zum ersten Staatsexamen, promovierte im Urheberrecht und arbeitete dann als Chefredakteur und Programmdirektor für verschiedene Radiostationen Deutschlands.
Seit 2006 schreibt Fitzek Psychothriller, die allesamt zu Bestsellern wurden. Sein Erstlingswerk Die Therapie erschien im Juli 2006 im Droemer Knaur Verlag, wie auch seine darauf folgenden. Seine Werke wurden in bislang 24 Sprachen übersetzt.
Privat lebt er mit seiner Frau und den drei Kindern in Berlin. (Quelle: Wikipedia)


Verlagsinfo

8Nacht_Cover
©Droemer Knaur

erschienen am 14. März 2017
im Droemer Knaur Verlag

Taschenbuch, Klappbroschur
416 Seiten
ISBN: 978-3-426-52108-3

Ebenfalls erhältlich als eBook.
Hier geht es zur Leseprobe.

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Verfasst von

Ich liebe Bücher, Katzen und Menschen. Und zwar in dieser Reihenfolge. Ausserdem koche und backe ich sehr gerne und liebe es auf Entdeckungsreise zu gehen.

6 Kommentare zu „[Buchbesprechung]: „AchtNacht“ von Sebastian Fitzek

    1. Diese Bücher wurden mir auch schon empfohlen, den Weg zu mir nach hause haben sie aber noch nicht gefunden. Im Moment bin ich wohl einfach zu wenig auf dem Thriller-Trip.
      An AchtNacht hat mich einfach das ganze Konzept gereizt, vielleicht gucke ich mir jetzt mal den Film „The Purge“ an.

      Gefällt 1 Person

  1. Geht mir bei Acht Acht genauso. Super Plot, aber sehr konstruiert.
    Ich fand schon die vielen Wendungen beim Paket ziemlich anstrengend.

    Aber ich muss auch zugeben: Herrn Fitzek verzeihe ich das. Dafür hat er mich einfach schon zu häufig gepackt.

    Gefällt 1 Person

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