[Unterwegs]: Irland – eine Reise auf dem Wild Atlantic Way #6

Endlich finde ich Zeit, euch den letzten Teil meiner Irlandreise zu präsentieren. Und wie könnte es anders sein, natürlich haben wir noch einen Abstecher in die Hauptstadt Dublin gemacht.

»In Dublin’s fair city, where the girls are so pretty, I once met a girl named sweet Molly Malone.«

-Molly Malone, Liedtext

Die Geschichte Dublins geht bis ins Jahr 140 n.Chr. zurück, allerdings gewann die Stadt erst zur Zeit der Wikinger an Bedeutung. Sie waren es auch, die ihr ihren heutigen Namen gaben. Dublin ist die englische Form von Duibhlinn, was so viel wie „schwarzer Teich“ heisst und das von den Wikingern als Hafenbecken genutzte Gewässer bezeichnete. Spannend, was einem Wirte bei einem Guiness so alles erzählen, wobei man wohl so ziemlich jeden Dubliner danach fragen könnte und eine Antwort bekäme. Die Iren sind ein ganz schön stolzes und gesprächiges Völkchen. Und so macht man auch in der Landeshauptstadt so einige nette und lustige Bekanntschaften.
Hilflose, mit Stadtplan herum stehende Touristen? Geht ja gar nicht, da wird man gleich mal angesprochen und über die grössten Sehenswürdigkeiten orientiert.
Neugierig eine Speisekarte vor dem Pub angucken? Da wird man über das beste Irish Stew Rezept belehrt und bekommt gleich noch so einige Restaurant Tips frei haus dazu.
Und wartet man, bis der Partner die Kathedrale oder das Denkmal abfotografiert hat, so gibt es sicher eine nette Lektion in irischer Geschichte von einem vorbei hastenden Mann mit Aktenmappe. Aber für interessierte Menschen nehmen sich die Iren gerne Zeit, so jedenfalls unsere Erfahrungen. Und so ist uns der Besuch in Dublin auch sehr lebhaft in Erinnerung geblieben.

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Docklands & Samuel Beckett Bridge

Und Dublin hat auch so einiges zu entdecken. Gleich an unserem ersten Abend präsentierte es sich in einem wunderschönen Kleid. Wir haben uns einfach etwas treiben lassen, sind mal links und mal rechts abgebogen und schlussendlich hungrig in den Docklands gelandet. Das alte Hafen und Industrieviertel wurde in jüngerer Zeit wieder belebt durch moderne Geschäfts- und Bürokomplexe und ist heute beinahe ein In-Viertel der Stadt. Der Mix aus Moderne und Tradition ist interessant anzuschauen. Besonders interessant fand ich ja die alten Lagerhallen, Mühlen und Docks inmitten von hochmodernen Glaspalästen. Ein Spaziergang durch dieses Viertel lohnt sich also allemal.
Unser erstes Nachtessen nahmen wir dann auch gleich im ehemaligen Büro des Hafenmeisters ein, im Pub und Restaurant The Harbourmaster, was ich euch nur empfehlen kann. Die Atmosphäre ist richtig cool, das Essen lecker und die Portionen riesig.

Am nächsten Tag stand dann auch für uns so etwas wie klassisches Sightseeing auf dem Programm. Sowas muss einfach einmal sein in einer grossen Stadt. Dafür liebe ich ja diese Hop on Hop off Busse, kenn ihr die? Ein Ticket lösen für die ganze Stadt und dann einfach ein und aussteigen, wie es einem passt. Ich finde diese Bustouren richtig cool für den Überblick. Als Tourist, der keine Ahnung von der Stadt hat, kommst du so überall einmal durch und kannst dir einen Überblick verschaffen, was wo ist und was du genauer anschauen möchtest. Und nebenbei bekommst du auch ein paar erste Informationen.
So hüpften wir auf einen dieser Busse und machten unseren ersten längeren Stop bei der St. Patricks Cathedral. Ein Grossteil dieses 91 Meter langen Bauwerks wurde bereits zwischen 1191 und 1270 erbaut. Einzig der grösste Turm wurde erst 1370 fertig gestellt. In einer Ecke der Kirche befindet sich auch das Grabmal von Jonathan Swift, dem Autor von Gullivers Reisen.
Ein Fun Fact: Gleich neben der Kathedrale befand sich ein Filmset. Wie wir später heraus fanden, wurde „Die Pfeiler der Macht“ von Ken Follet gedreht.

Und natürlich machten wir an diesem Tag auch einen Halt im berühmten Trinity College mitten im Herzen von Dublin.

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Trinity College

Als wahrer Buchliebhaber geht nichts an einem Besuch der Library und insbesondere des Long Rooms vorbei. Sehr zu empfehlen sind allerdings auch die von Studenten organisierten Führungen über den Campus, wo man so einiges über die Geschichte des Colleges, die Prüfungsrituale und andere Anekdoten aus dem studentischen Leben erfährt. Bram Stoker, Oscar Wilde oder auch Samuel Beckett haben hier schon studiert, ein sehr Geschichtsträchtiger Ort.
Das Highlight dieses Besuches war allerdings die Bibliothek mit ihrem berühmten Long Room. Die Alte Bibliothek wurde zwischen 1712 und 1732 erbaut und steht im ersten Obergeschoss. So wurden sie vor Feuchtigkeit und Hochwasser geschützt. Das berühmteste Werk in dieser Sammlung von mehr als 4.5 Millionen Bänden ist das Book of Kells.

Unser Abendessen nahmen wir an diesem Abend in den Woollen Mills ein, einem tollen Restaurant gleich gegenüber der Ha’Penny Bridge. Überhaupt gibt es in Dublin eine Menge an guter Restaurants und Pubs. Grad auch in Pubs isst man oft erstaunlich gut, sind sie doch nicht einfach nur die „Bars“ so wie wir sie bei uns zu Hause kennen, sondern vielmehr Treffpunkt und Stammtisch der Einheimischen. Und so haben wir nicht ein einziges Mal schlecht gegessen auf unserer Irlandreise.

Unserem letzten Tag in Dublin verbrachten wir noch eimal mit Streifzügen durch die Stadt, durch das Ausgehviertel Temple Bar und auf der Suche nach den farbigen Türen Dublins. Zu deren Entstehung gibt es so einige Theorien und Legenden.
Eine geht auf das Jahr 1901 zurück, das Jahr in dem Queen Victoria von England starb. Als Zeichen der Trauer wurde angeordnet, alle Haustüren schwarz zu streichen. Irland war damals noch nicht unabhängig und so betraf dieser Beschluss auch die Insel. Doch rebellisch wie die Iren sind, scherten sie sich einen Deut um diese Anordnung und strichen ihre Türen knallbunt an.
Eine andere, und meiner Meinung nach ebenfalls sehr plausible Theorie besagt, dass die bunten Haustüren als Orientierung für betrunkene Ehemänner dienten. Des öfteren soll es vorgekommen sein, dass irische Ehemänner nach dem ein oder anderen Guiness zu viel im falschen Bett gelandet sind. So strichen ihre Frauen die Haustüren kurzerhand in allen erdenklichen Farben an, um ihren Männern den Heimweg zu erleichtern.
Am ehesten der Wahrheit entspricht wahrscheinlich die Theorie, dass die Iren wenigstens ein bisschen Individualität in all den Reglementierungen des Hausbaus wollten. Im 18. Jahrhundert herrschte um das damalige Zentrum von Dublin ein regelrechter Bauboom und damit nicht das pure Chaos ausbrach, wurde alles bis ins kleinste Detail reglementiert. Nur die Haustüre ging vergessen. Und so wurden diese knallbunt angestrichen, um sich wenigstens ein bisschen vom Nachbarhaus zu unterscheiden.

Besonders schöne Exemplare dieser Türen lassen sich in Dublin übrigens rund um den Merrion Square, den Fitzwilliam Square und die Leeson Street, sowie westlich vom Trinity College und dem St. Stephen‘s Green finden.

Tja, und nach diesem gelungenen letzten Streifzug durch die Stadt, hiess es dann auch für uns ab an den Flughafen und zurück nach Hause.

Wer an noch mehr Fotos unserer Irlandreise interessiert ist, darf gerne auf Kerls Fotoseite felixARTfotografie stöbern gehen. Ich verlinke euch hier die Spezial Seite zu Irland, natürlich findet ihr auch einen Link zu seinen anderen Bildern.
An dieser Stelle ist dies der letzte Beitrag zu unserer wunderbaren Zeit in einem atemberaubend schönen Land. Ich hoffe ganz fest, dass es nicht mein erster und letzter Besuch gewesen ist. Irland wird immer einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen haben.

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Verfasst von

Ich liebe Bücher, Katzen und Menschen. Und zwar in dieser Reihenfolge. Ausserdem koche und backe ich sehr gerne und liebe es auf Entdeckungsreise zu gehen.

6 Kommentare zu „[Unterwegs]: Irland – eine Reise auf dem Wild Atlantic Way #6

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