[Buchbesprechung]: „Rauklands Sohn“ von Jordis Lank

»“Und wieso dieser Freund?“
„Weil jeder gute König einen Freund an seiner Seite nötig hat.“
Ronan kniff die Augen zusammen. „Wozu?“
„Damit dieser König keine Dummheiten macht, nur weil er dazu in der Lage ist“, entgegnete Merin.« (S.65)

Erster Satz

„Was hast du getan?“

Verlagstext

Du allein bestimmst, wer du bist
Ronan ist Sohn des Königs von Raukland. Sein Vater ist der mächtigste Herrscher im Nordmeer: ein machtgieriger Mann, der sein Land von einem Krieg in den anderen führt. Ronan hat nie gelernt, das infrage zu stellen: Freundschaften sind ihm unbekannt und die einzige Liebe, die er kennt, gilt seinem Schwert. Doch dann fällt Ronan in Ungnade und wird auf die nordische Insel Lannoch verbannt. Das Eiland muss er einnehmen oder er verliert den Thron. Mit Waffengewalt ist das aussichtslos: Ronan braucht nicht nur einen Freund an seiner Seite, er muss auch die Achtung der Prinzessin von Lannoch gewinnen. Wie man das anstellt, kam in seinem Schwerttraining jedoch nicht vor.

Einen herzlichen Dank geht an dieser Stelle an Jordis Lank und das Verlagshaus El Gato, die mir dieses eBook als Rezensionsexemplar zur Verfügung stellten.

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Meine Meinung

In meinem Skiurlaub erhielt ich eine äusserst nette und ausführliche Mail von Jordis Lank, in der sie mir ihr Buch „Rauklands Sohn“ vorstellte. Daraus ergab sich ein nettes Gespräch über Island und die nordischen Länder und meine Lust das Buch zu lesen stieg und stieg und stieg. So kam es, dass „Rauklands Sohn“ bei mir zu Hause auf dem eReader landete.

Ronan, der Sohn von König Azel von Raukland, ist stark, unerschrocken und ein Meister im Kampf mit dem Langschwert. Eine unverzichtbare Stütze im Heer seines Vaters. Doch kurz vor einer grossen Schlacht, in der Ronan einen Hinterhalt hätte anführen sollen, wird er mit Wein und einer schönen Frau ausser Gefecht gesetzt. Ausser sich vor Wut und Schmach über die verlorenen Schlacht bestraft Azel seinen Sohn auf’s härteste und bringt ihn beinahe um. Ronan wird auf das Eiland Lannoch verbannt, welches er, um die Gunst seines Vaters wieder zu erlangen, einnehmen soll.
Doch dies ist einfacher gesagt als getan. König Merin von Lannoch stellt ihm Aufgaben, die er alle lösen muss, um König zu werden. Und gleich die erste Aufgabe, scheint unlösbar: einen Freund finden. Gar nicht so einfach, für einen Mann, der so etwas wie Liebe oder die freundschaftlichen Werte nicht kennt. Ronan schliesst daher ein Zweckbündnis mit Liam, aus dem sich aber trotz allem eine tiefe Freundschaft entwickelt.
Doch diese Aufgaben sind nicht die einzigen Herausforderungen, die auf Ronan warten, sind da doch noch kleine vorwitzige Jungs, ein Blutschwur, zwielichtige Gestalten und eine äusserst eigensinnige Prinzessin, die ihm ganz schön den Kopf verdreht.

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Selten bereitet es mir derart grosse Mühe, die richtigen Worte für eine Buchbesprechung zu finden. Woran das wohl liegt? Vielleicht daran, dass mir das Cover so gar nicht gefällt und mich in Bezug auf die Geschichte auch ziemlich verwirrt hat? Oder vielleicht eher, weil das Buch ein Pageturner ist und ich es viel zu zügig gelesen habe? Vielleicht liegt es auch daran, dass mich das Buch wirklich toll unterhalten hat, aber einfach nicht aus der Masse raus sticht und so etwas blass daliegt. Aber der Reihe nach, ich möchte versuchen, die oben genannten Punkte zu erläutern.

Tatsächlich ist dies das erste mal, das ein Cover für mich einen wesentlichen Einfluss auf das Buch nimmt. Oder anders gesagt, es hat meine Vorstellung von Lannoch ganz schön durcheinander gebracht. Denn was ich auf dem Cover sehe ist eine Burg und zwar nicht irgend eine Burg, sondern das Eilean Donan Castle in Schottland (oder zumindest schaut es verdammt ähnlich aus, sogar Kerl meinte, es sei ein Buch über dieses schottische Schloss). Und das hat mich richtig gestört, was ich ja nie für möglich gehalten hätte. Aber von einem Fantasy Buch erwarte ich ein anderes Cover. Auch wenn die Landschaften von Lannoch inspiriert wurden von Island, Irland oder dem Dunnotter Castle (das Burgdorf, habt ihr’s gemerkt?), auf dem Buchdeckel möchte ich dann keine reale Burg sehen. Das ist dann etwas zu viel Realität für ein Fantasy Buch (auch wenn es sehr realistische Fantasy und mehr Abenteuergeschichte ist).

Aber genug zum Cover, zum Glück hat ein Buch ja auch einen Inhalt und in diesem Fall, kann der so einiges wieder gut machen. Wie ich schon geschrieben habe, ist das Buch ein echter Pageturner. Die Geschichte nahm mich total gefangen und lullte mich richtig gehend ein. Einmal angefangen zu lesen, wollte ich nicht mehr aufhören.
Woran dies lag? Ich denke, Jordis Lanks Schreibstil hat einen grossen Anteil daran. Ich mag es sehr, wenn der Autor ein sehr klares Bild von Orten, Personen und Stimmungen zeichnet. Dabei muss nicht alles komplett bis ins kleinste Detail beschrieben sein, ich habe gerne auch etwas Raum für meine Fantasie, aber dennoch so, dass ein stimmiges Bild, eine einmalige Atmosphäre entsteht. Und dies gelingt Jordis Lank sehr sehr gut. Und hier hat mich der Realitätsbezug, die Orte, die ich glaubte von meinen Reisen wieder zu erkennen, überhaupt nicht gestört. Viel eher war es so, dass ich ein sehr klares und gutes Bild vom Setting vor Augen hatte und mir alles sehr bildlich vorstellen konnte. So lässt die Autorin den Leser in die Welt von Lannoch eintauchen und die Gedanken, Ängste und Freuden der Protagonisten miterleben.

»Es hatte lange gedauert, bis er verstanden hatte, was „für immer“ hiess. Dass es kein Zeitraum war, der nach fünfmal schlafen vorüber war. Nichts, was man aushalten konnte, wenn man nur musste. „Für immer“ bedeutete, dass sie fort war, ganz egal, wie oft man wach wurde.« (S. 327)

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Und eben diese Protagonisten fand ich auch ganz schön klasse. Da wäre zum einen Ronan, der für sein jugendliches Alter doch schon recht erwachsen wirkt. Aufgewachsen ohne Liebe und die Wärme einer Mutter ist es nicht verwunderlich, dass er zu Beginn des Buches doch recht hart und arrogant wirkt. Ich habe selten einen Charakter angetroffen auf den die Redewendung „Harte Schale, weicher Kern“ so gut passt. Und hätte er Liam nicht aus dem Wasser gezogen, so hätten wir die weiche Seite von Ronan gar nie kennen gelernt. Liam ist nämlich ganz anders als der Schwertkämpfer, offen, herzlich und manchmal etwas zu gesprächig. Von Krieg versteht er nicht viel, ihm liegt der Handel viel eher. So ergänzen sich diese zwei wunderbar, was sicher auch mit ein Grund für ihre tiefe Freundschaft ist. Überhaupt ist Freundschaft sehr wichtig in diesem Buch, nicht nur zwischen Liam und Ronan. Auch, wie die Inselbewohner Ronan gegenüber zu Beginn sehr feindlich gesinnt sind und der Prozess über Akzeptanz bis hin zu Freundschaft ist sehr anschaulich beschrieben.

»„Weisst du, Merin hat die Mauer auch nicht allein gebaut“, sagte sein Freund. Liams Blick war auf die ausgelassenen Lannocher gerichtet und er lächelte. „[…] Solange die Lannocher nicht wollen, wird niemand König. Klug […], nicht?“« (S.295)

König Merin erlebte ich dafür eher etwas ambivalent. Am Anfang wirkte er noch freundlich und gütig, ein liebender Vater, treuer Freund und gerechter König. Je weiter die Geschichte fortschreitet desto mehr werden seine geheimen Machenschaften aufgedeckt und er zeigt sein hartes, unnachgiebiges Gesicht. Aber vielleicht ist dies ja auch nicht verwunderlich, merkt er doch, wie im das Wasser bis zum Hals steht und sein Volk bewundernd zu Ronan aufblickt.
Von daher durchlaufen die Protagonisten alle eine sehr glaubwürdige und reale Entwicklung. Sie sind als Menschen sehr greifbar.

Alles in allem muss ich aber leider sagen, dass „Rauklands Sohn“ für mich nicht aus der Masse an Fantasy Büchern heraus sticht. Ich mochte die Story mit dem Fokus auf der Freundschaft. Ich habe die Protagonisten lieb gewonnen und der bildhafte Schreibstil von Jordis Lank ist wirklich toll zu lesen. Aber irgendwie fehlt da ein bisschen das Salz in der Suppe, oder einen Eindruck, der bleibt. Ich vermag nicht zu sagen, was das Einzigartige an diesem Buch ist. Aber wer weiss, vielleicht ändert sich dies ja noch in Band 2, den ich trotz allem lesen werde. Denn irgendwie möchte ich doch wissen, wie die Geschichte um Ronan und Liam weiter geht und was sie nun zu Hause in Raukland erleben.

Fazit

Strandlektüre„Rauklands Sohn“ ist ein Fantasy Buch, das mit erstaunlich wenig Fantasy auskommt. Die Geschichte um die Freundschaft zwischen Ronan und Liam ist sehr spannend erzählt und überzeugt durch starke Bilder und lebhafte Beschreibungen. Leider sticht das Buch als Gesamtwerk nicht wirklich aus der Masse heraus und bleibt so ein bisschen fade. Aber wer weiss, vielleicht ändert sich dies auch in den Folgebänden.


Über die Autorin

Jordis Lank kam Anfang der siebziger Jahre im äussersten Zipfel des Bergischen Landes zur Welt. Zusammen mit 14 Hühnern, einem Hahn, unzähligen Bienen und geschätzten fünf Kaninchen wuchs sie in einem riesigen Garten auf, veranstaltete Schneckenrennen und konnte aus Weidenrinden unglaublich laute Hupen basteln.
Wenn sie nicht gerade schreibt, wirft sie Bälle und Keulen in die Luft, sucht verborgene Schätze per GPS oder spielt mit Freunden Brettspiele. Das Erzählen von Geschichten ist und bleibt jedoch ihre grösste Leidenschaft. (Quelle: Amazon)


Verlagsinfo

Raukland_Cover.png
© Verlagshaus El Gato

Durch den Klick auf das Cover gelangt ihr zur Verlagshomepage.

erschienen am 7. März 2013
im Verlagshaus El Gato
364 Seiten

erhältlich als Taschenbuch und eBook
ISBN 978-3943596045

Hier geht’s zur Leseprobe

Band 2 und 3 sind ebenfalls im Verlagshaus El Gato erschienen.

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Veröffentlicht von

Ich liebe Bücher, Katzen und Menschen. Und zwar in dieser Reihenfolge. Ausserdem koche und backe ich sehr gerne und liebe es auf Entdeckungsreise zu gehen.

3 thoughts on “[Buchbesprechung]: „Rauklands Sohn“ von Jordis Lank

  1. Hallo Nela,
    ich bin über Rezi-Suche hier gelandet. Ich hab die Reihe auch gelesen und ich wusste zum Glück vorher nicht, dass es „Fantasy“ sein soll. Das ist es nämlich definitiv nicht. Es ist ein Abenteuerroman, der in einem mittelalterlichen Setting spielt
    Das Cover fand ich toll – aber ich wusste bis eben nicht, dass es ein real existierendes Schloß ist. Danke für die Info!
    Liebe Grüße
    Daniela
    PS: Auf meinem Blog gibt es aktuell ein Interview mit der Autorin, vielleicht interessiert es dich ja. Jetzt werd ich erst mal gucken, wie du die anderen Teile bewertet hast.

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo Daniela
      Danke für deinen Kommentar. Ich persönlich hätte das Buch auch nicht in erster Linie als Fantasy-Buch bezeichnet. Die Autorin hat mir das Buch jedoch als Fantasy-Abenteuer-Roman präsentiert. Da das Setting und vor allem die Länder frei erfunden sind, geht das ein Stück weit auch in Ordnung.
      Ich habe jetzt grad mit Band 2 angefangen und bin auch gespannt, wie es weiter geht. Das Interview lese ich mir sehr gerne durch. 🙂
      Herzlich, Nela

      Gefällt mir

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