[Buchbesprechung]: „Danaé und die weisse Hand“ von Divna Omaljev

»Es war keine Kirche, in der sie sich befanden, sondern eine Bibliothek, deren endlose Gänge fünf Zacken eines gewaltigen Pentagramms bildeten. Hier wurde keinem höheren Wesen gehuldigt, sondern der Erkenntnis.« (S.316)

Erster Satz:
Die Jahreszeiten spielten verrückt.

Verlagstext:
Europa 1538. Attentate erschüttern zeitgleich Paris, Venedig und den Vatikan. Danaé, eine junge Medizinerin, soll im Auftrag des französischen Königs die Ermittlungen unterstützen. Mit Donatien, dem Chef der Geheimpolizei, bricht sie zu einer Reise auf, die sie auf abenteuerlichen Wegen nach Konstantinopel führt. Im Palast des Sultans muss Danaé sich zunächst an der Seite von Léandre, dem neuen Hofchirurgen aus Frankreich, als Ärztin beweisen. Dann führt ihre Mission sie weiter in die Tiefen der tausendjährigen Stadt, auf die Spur einer uralten Verschwörung. Verrat, mächtige Feinde, politische Intrigen und selbst ihre eigene Angst können Danaé nicht daran hindern, das Geheimnis der Weißen Hand zu ergründen.

An dieser Stelle geht ein herzlicher Dank an Dagmar Schruf von Schruf & Stipetic, die mir dieses Buch ans Herz gelegt hat und das eBook als Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte.

danae3

Meine Meinung:
Als mich Dagmar Schruf ansprach, ob ich nicht Interesse hätte, ein Buch aus ihrem Verlag zu lesen, habe ich mich wirklich sehr gefreut. Zum einen habe ich schon lange keinen historischen Roman mehr gelesen und zum anderen klang die Leseprobe so vielversprechend und witzig, dass ich spontan zusagte. Noch am gleichen Abend fand dann das eBook seinen Weg auf meinen Reader und plötzlich mussten alle Bücher hinten anstehen. Danaés Abenteuer hatte mich gepackt.

Kurz etwas zum Inhalt, denn zu viel verraten möchte ich euch nicht. Und aufgrund der Fülle an Personen und Handlungen ist dieses Buch auch nicht ganz einfach zusammen zu fassen. Im Mittelpunkt der Geschichte steht ganz klar die junge Anatomin Danaé Pioggia d’Oro, Patenkind von Leonardo da Vinci und Tochter der illustren Gelehrten Galatea. Ihre Mutter setzt grosse Erwartungen in Danaé, denen sie sich aber alles andere als gewachsen fühlt. Immer wieder dringen ihre Selbstzweifel unter der gewieften Oberfläche hindurch. Als eines Tages ein ganzes Heer an Soldaten mit einer mysteriösen Krankheit ins Hôtel Dieu transportiert wird, ist ihre Neugier geweckt. Sie schleicht sich in das Hospital, um sich die Kranken genauer anzusehen. Dabei wird sie von Donatien de Monthléri, dem Chef der Geheimpolizei, erwischt. Da dieser Danaé jedoch kennt und ihre Hilfe in einem vergangenen Fall sehr zu schätzen wusste, schlägt er ihr vor, doch mit ihm zusammen an der Aufklärung dieser mysteriösen Erkrankungen zu arbeiten.
Gemeinsam begeben sie sich auf eine Spurensuche, die sie von Fontainebleau bis nach Konstantinopel an den Hof des Sultans und auf abgelegene griechische Inseln zu den wilden Amazonen führt. Dabei muss sich Danaé mit einer riskanten Operation als Ärztin beweisen und ihre eigenen Ängste überwinden. Und dann ist da auch noch Léandre Desanges, der Hofchirurg des französischen Königs, der ihr Blut ganz schön in Wallungen bringt.

»Sie hätte sich den Mut gewünscht, ihn aus ihrem Zimmer zu jagen. er hatte hundertprozentig eine Abreibung verdient, so, wie er sie enttäuscht und verletzt hatte. Sie wollte ihm unbedingt widerstehen, aber ihr eigener Körper liess sie im Stich. (S.304)

danae1

Ich muss gestehen, dieses Buch hat mich mehr als überrascht und war ein tolles Lesevergnügen, auch wen ich einige kleine Punkte zu kritisieren habe. Aber fangen wir erst einmal mit den positiven Dingen an, denn alles in allem hat mich dieses Buch wirklich überzeugt.

Wie bereits ganz zu Beginn erwähnt, hat mich die Leseprobe sehr angesprochen. Dies lag hauptsächlich an Divna Omaljevs Schreibstil und ihrem Humor, den sie recht grosszügig durch das ganze Buch durch einsetzt. Immer wieder durfte ich schmunzeln oder gar laut lachen. Gleichzeitig schafft sie es aber auch, kritischen und spannenden Stellen die nötige Ernsthaftigkeit zu verleihen. Ich finde dies ist ein wirklich guter Mix in einem historischen Roman, so wirkt er nämlich alles andere als verstaubt. Denn oftmals empfinde ich das als ein Problem in historischen Romanen. Verständlicher Weise wird in diesem Genre viel Wert darauf gelegt die Geschichte in die historischen Gegebenheiten einzupassen und dem Leser auch ein möglichst authentisches und detailreiches Bild dieser Zeit zu vermitteln. Leider artet dass oft auch in ein staubtrockenes Geschichtsbuch aus und nimmt der eigentlichen Story jegliche Spannung. Durch diesen Mix aus Humor und Ernsthaftigkeit schafft die Autorin jedoch eine tolle Grundstimmung in ihrem Buch, so dass es wirklich immer sehr unterhaltsam zu lesen ist.
Und auch die Protagonistin gibt dem Buch eine gute Portion Würze. Danaé ist eine sehr facettenreiche Persönlichkeit. Sie ist eine brillante Anatomin und Gelehrte, die sich eigentlich völlig zu Unrecht mit Selbstzweifeln quält. Auf ihrem Fachgebiet kennt sie sich aus und scheut sich auch nicht grossen Persönlichkeiten die Stirn zu bieten und ihre Meinung kund zu tun. In vielerlei Hinsicht ist sie sehr emanzipiert. Und dann ist da auch ihre tollpatschige und unsichere Seite. In Liebesdingen völlig unerfahren bringen sie ihre Gefühle für Léandre ziemlich durcheinander und so stolpert sie in die ein oder andere komische und manchmal fast brenzlige Situation. Die Entwicklung von der schüchternen und eher unsicheren Anatomin hin zu der selbstbewussten jungen Frau zeichnet Divna Omaljev sehr nachvollziehbar.
Generell sind die Charaktere sehr gut gezeichnet. So zum Beispiel auch Côme d’Amboise, der im Rotlichtviertel von Konstantinopel lebt, eigentlich ein Agent der Pariser Geheimpolizei ist, sich aber zur Tarnung als Frau ausgibt und in einem altertümlichen Varieté auftritt. Oder ist das ganze vielleicht doch nicht nur Tarnung? Findet es am Besten selbst raus.

Ich habe es wirklich wieder einmal genossen in die Welt um 1500 abzutauchen, mich von den damaligen Gepflogenheiten und Denkweisen berieseln zu lassen und dabei auch viele schöne Flecken auf unserer Erde zu bereisen. Meine Hochachtung für die Autorin, die sich sehr eingehend mit der damaligen Zeit befasst hat und dem Leser ein so atmosphärisches Bild präsentieren kann. Die Geschichte bietet wirklich alles, was das Leserherz begehrt, von Romantik über kriminalistischen Spürsinn, fremdländische Gepflogenheiten und Kulturen bis hin zu Schlachten auf hoher See und politischem Wirrwarr ist alles mit dabei.

danae2

»Zuerst wackelten die Kerzenleuchter, dann das ganze Tischchen, auf dem eine Glaskaraffe stand. Sie fiel herunter und zersprang in tausend Stücke.
»Zum Teufel!«, fluchte Léandre.« 
(S.180)

Trotz all dem Lob möchte ich auf ein paar Dinge hinweisen, die mich als Leser etwas gestört haben.
Meist wird die Geschichte aus der Perspektive von Danaé erzählt. Manchmal wechselt jedoch die Erzählperspektive für kurze Augenblicke und andere Charaktere, wie Léandre, Donatien oder Côme kommen zu Wort. Grundsätzlich mag ich solche Perspektivwechsel, nur leider war in diesem Buch nicht immer ganz klar, aus wessen Sicht die Geschichte nun erzählt wird. Manchmal musste ich ein paar Seiten zurück blättern, bis ich den Faden wieder gefunden hatte. Trotz diesem kleinen Kritikpunkt empfand ich die Wechsel der Perspektive als eine Bereicherung für die Geschichte. Die Protagonisten wurden so plastischer und füllten sich mit Leben.
Ein weiterer Kritikpunkt, den ich erwähnen möchte, sind die vielen Personen, die in diesem Buch vorkommen. Damit meine ich nicht nur die Protagonisten, sondern auch deren Verwandte und historische Persönlichkeiten, die Erwähnung finden. Zum einen vermittelt dies natürlich einen gewissen Hintergrund für die Hauptfiguren und bettet das Ganze sehr gut in die geschichtlichen Tatsachen ein. Zum anderen ist es aber auch schlichtweg überfordernd, wenn man sich mit der Materie nicht genau auskennt. Teilweise habe ich während des Lesens völlig den Faden verloren und wusste nicht mehr, wer jetzt wer ist, welcher Kaiser mit welchem König ein Bündnis eingegangen ist, oder wer nun Prinzessin und wer Mätresse oder Geliebte ist. Vielleicht hätte da ein Personenverzeichnis oder eine Stammbaum ähnliche Aufstellung eine Hilfe sein können.
Und wenn wir schon dabei sind, hätte ich es schön gefunden, wenn die Reise von Danaé, Donatien und Léandre etwas mehr visualisiert worden wäre, in Form eine Landkarte zum Beispiel. (Ein kleiner Nachtrag: Wie ich kürzlich erst erfuhr, enthält die Taschenbuch Version des Buches wunderschön gezeichnete, antike Karten)

Fazit:
Lese-Tipp
„Danaé und die weisse Hand“ ist ein spannender historischer Abenteuerroman, um eine junge Anatomin, die sich entschliesst ihren eigenen Weg zu gehen und dabei sich selbst und die Liebe findet. Das Buch bietet über Romantik, Spannung und Geschichte alles, was das Leserherz begehrt. Und das Ende lässt hoffen auf mehr.
Trotz kleiner Kritikpunkte ist „Danaé und die weisse Hand“ eine klare Leseempfehlung meinerseits für alle, die spannende historische Romane lieben.


Verlagsinfo:

danae_cover
© Schruf & Stipetic


Durch einen Klick auf das Cover gelangt ihr zur Verlagsseite.

Erschienen am 10. November 2016
im Verlag Schruf & Stipetic
aus dem Französischen übersetzt von Dagmar Schruf
Seiten: 608
Erhältlich als Taschenbuch & eBook
ISBN 978-3-944359-22-9
ISBN 978-3-944359-16-8

Hier gehts zur Leseprobe.

Advertisements

Veröffentlicht von

Ich liebe Bücher, Katzen und Menschen. Und zwar in dieser Reihenfolge. Ausserdem koche und backe ich sehr gerne und liebe es auf Entdeckungsreise zu gehen.

9 thoughts on “[Buchbesprechung]: „Danaé und die weisse Hand“ von Divna Omaljev

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s