[Buchgeplauder]: Aus Erfahrung wirst du klug – Warum ich fast nur noch gute Bücher lese

buchgeplauder

»Gute Bücher zeichnet aus, dass man sie so schnell lesen muss, dass man sich am Ende ärgert, dass man sie so schnell gelesen hat.«

Twitter User @der_handwerk

Habt ihr das auch schon beobachtet, dass irgendwie alle Bücher, die ihr lest, toll sind und ihr eigentlich gar nichts zu kritisieren und zu meckern habt? (nicht, dass ihr jetzt denkt, mir geht es nur ums meckern, himmel nein!) Woher kommt das? Lernen wir schlichtweg die Bücher zu meiden, von denen wir annehmen, dass sie uns nicht gefallen können oder werden wir einfach toleranter was die Geschichten anbelangt?

Ich habe mich mal auf Spurensuche in meinem eigenen Leseverhalten begeben und bin so auf ein paar erstaunliche Dinge aufmerksam geworden.

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Zugegeben, der Titel dieses Beitrag ist etwas plakativ, denn was ist schon ein gutes Buch? Jeder Leser bewertet dies doch ganz anders, schaut mit seinen eigenen Erfahrungen, Interessen und Vorkenntnissen auf die Geschichte. Darum ist nur schon die Unterteilung in gute und schlechte Bücher eine rein subjektive.
Aber darüber wollte ich in diesem Beitrag eigentlich gar nicht philosophieren. Es kann sich jeder mit seinem eigenen, subjektiven Leseeindruck fragen, warum er Bücher tendenziell eher gut bewertet. Oder ob dies bei ihm überhaupt der Fall ist. Nur weil ich das bei mir und meinen Bewertungen so beobachtet habe, heisst es ja noch lange nicht, dass es jedem andern auch so ergeht.

Ich war schon immer jemand, der sich seine Bücher sehr genau ausgewählt hat. Bereits früh hatte ich klare Vorlieben und Abneigungen. Allerdings waren meine Auswahlmethoden dann doch oft auch etwas zweifelhaft. So las ich beispielsweise beinahe jedes Buch eines Autors, nur weil ich einmal ein Buch desselbigen gelesen hatte und dieses ach so wunderbar fand. Ich ging quasi nach dem Grundsatz vor, ein gutes Buch = alle Bücher gut.  Viel zu oft musste ich dann aber auch feststellen, dass dem nicht so ist. Durch manche Bücher quälte ich mich und noch viel häufiger brach ich sie ab. Genau so erging es mir mit Genres, die ich richtig gehend ausschlachtete und ebenfalls völlig unkritisch jedes Buch las, dass irgendwie da hinein passte.
So schlitterte ich wohl in die grösste Leseflaute der Geschichte (zumindest meiner Geschichte). Jahrelang konnte ich meine gelesenen Bücher an einer Hand abzählen. An und für sich wäre dies nicht weiter schlimm, wenn ich nicht die ganze Zeit gemerkt hätte, das mir ohne das Lesen etwas wesentliches in meinem Leben fehlte. Aber ich brachte es dennoch nicht fertig über den eigenen Nasenspitz zu schauen, aus Angst vor Enttäuschung und Lesefrust.
Heraus gefunden habe ich nur durch Zufall und einen Arbeitskollegen, der mir in den höchsten Tönen von den Scheibenwelt Büchern vorgeschwärmt hat, einem Genre, dass ich eher selten lese.

Die Selektionskriterien meiner Jugend waren zugegebenermassen etwas fragwürdig, aber irgendwie auch nachvollziehbar. Denn an irgend etwas muss man ja festmachen, ob man ein Buch nun lesen möchte oder nicht.
Woran ich es heute festmache, kann ich gar nicht genau benennen. Wahrscheinlich ist es eine Mischung aus dem Klappentext, Pressestimmen, Rezensionen anderer Buchblogger, Empfehlungen aus meinem Bekanntenkreis und meinem Bauchgefühl. Auf jeden Fall gehe ich differenzierter an die ganze Sache ran, von den Spontankäufen mal abgesehen.

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Warum habe ich denn aber nun das Gefühl nur noch gute Bücher zu lesen? Früher teilte ich sie doch auch einfach in gut oder schlecht ein?
Nun, ich denke, dass ich durch das Bloggen einfach viel bewusster und differenzierter an die ganze Sache ran gehen. Und zwar gleich auf mehreren Ebenen. Bereits der Auswahlprozess geht viel überlegter von statten, ich kaufe nicht mehr blind jedes Buch eines bestimmten Autors oder Genres. Fehlkäufe und Totalausfälle gibt es nur noch sehr selten und wenn, dann sind es oft, nicht immer, aber oft meine Spontankäufe, Bücher, die ich einfach noch mitnehmen musste, weil der Titel so lustig klang oder das Cover so toll aussah.
Aber da ich meist sehr genau überlege, ob ich mir ein Buch anschaffen möchte und auch Rezensionen anderer Blogger dazu lese, weiss ich meist sehr gut, welche Bücher ich unbedingt lesen will und welche einfach nur mal so auf meiner Wunschliste stehen und schlussendlich dann vielleicht aber auch wieder von derselbigen gestrichen werden.
Ob das nun wirklich schlechte Bücher sind, die ich so vermeide, sei jetzt mal dahingestellt, denn schlussendlich weiss man erst, ob ein Buch überzeugt, wenn man es auch gelesen hat. Und es gibt bestimmt jemanden, der dieses Buch abgöttisch liebt. Aber zumindest sind es Bücher, die mir persönlich keine Bereicherung für meine Unterhaltung oder Ansichten bieten.
Und wenn ich nun auf meine kürzlich verfassten Buchbesprechungen zurückblicke, so fällt mir noch ein weiteres Detail ins Auge. Nicht nur, dass ich die meisten Bücher als ein gutes Lesevergnügen empfinde, sondern auch, dass ich sehr selten ein Buch als wirklich grottenschecht, oder das pure Gegenteil, als absolut wundervoll bewerte. Die meisten Bewertungen bewegen sich irgendwo in der grauen Mittelzone. Kann es sein, dass irgendwann die Grenzen zwischen gut, mittelmässig und schlecht verwischen?
Auch da denke ich, hat es mit meiner veränderten Herangehensweise zu tun. Ich lese ein Buch nicht einfach nur mehr schnell durch, ich streiche mir Sätze an, notiere mir Gedanken dazu und schaue allgemein genauer und differenzierter (schon wieder dieses Wort) hin. Somit entdecke ich auch immer Dinge, Personen oder Sequenzen in einem Buch, welche mir besonders gut gefallen und die Geschichte vielleicht auch über die ein oder andere Länge hinweg tragen. Dadurch empfinde ich das Buch dann zwar als gut, aber halt auch nicht als herausragend. Rein statistisch gesehen lese ich somit weniger schlechte Bücher, aber halt auch weniger richtig gute.
Und dann haben halt die Sprichwörter „Aus Schaden wird man klug“ oder „Aus Erfahrung lernt man“ ziemlich viel Wahres an sich. Mit der Zeit lernt man sich selbst und seinen Lesegeschmack immer besser kennen. Man weiss, was einem gefallen könnte und bei welchen Themen man eher etwas kritisch hinguckt und lieber zweimal überlegt. So lernen wir zwar nicht direkt die „schlechten“ Bücher zu meiden, aber doch sie vielleicht frühzeitig zu erkennen.

Manchmal frage ich mich, ob ich ein Buch aus meiner Jugendzeit heute nochmals lesen würde, und ob ich es genau so bewerten würde wie damals. So oder so ist es schön zu sehen, dass ich Büchern gegenüber offener werde und sie nicht einfach nur aufgrund der Schreibweise ablehne oder liebe. Sondern, dass ich viele verborgene Dinge und Elemente wahrnehme, die ein Buch dann nicht einfach nur gut oder schlecht machen, sondern die es mich bewusster lesen lassen.

Habt ihr solche Überlegungen auch schon angestellt? Ist euch in eurem Lese- und Bewertungsverhalten auch eine Veränderung aufgefallen?unterschrift

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Ich liebe Bücher, Katzen und Menschen. Und zwar in dieser Reihenfolge. Ausserdem koche und backe ich sehr gerne und liebe es auf Entdeckungsreise zu gehen.

5 thoughts on “[Buchgeplauder]: Aus Erfahrung wirst du klug – Warum ich fast nur noch gute Bücher lese

  1. Ich habe seit Jahren ein Buch im Regal stehen, zu dem ich nie den Zugang gefunden habe. Vor ein paar Monaten hatte ich plötzlich wieder den Drang, es zu lesen. Und dieses mal war es der passende Zeitpunkt. Vielleicht lag es an den Erfahrungen, die ich zwischenzeitlich gemacht habe. Vielleicht war der Zeitpunkt einfach passend.

    Aber daher denke ich auch andersherum, dass ich heute ein Buch, dass ich vor ein paar Jahren geliebt habe, bestimmt auch nicht mehr unbedingt so toll finde.

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  2. Toller Beitrag! 🙂
    Meine Bücher bewerte ich seit einiger Zeit auch ‚immer besser‘. Irgendwie habe ich schon das Gefühl, dass man sich mit der Zeit besser kennen lernt, dass man weiß was gut ist (natürlich im subjektiven Sinne). Es gab eine Zeit, da war ich oft sehr enttäuscht von Büchern, weil ich dem allgemeinen Hype folgte. Ich habe mir einfach nicht die Zeit genommen mich tiefergehend mit den Büchern und Inhalten zu beschäftigen und letztlich dachte ich: was so viele gut finden kann eigentlich nicht schlecht sein.
    Grundgütiger lag ich mit dieser Vermutung weit ab vom Schuss. Die Geschichten schienen mir immer die selben zu schein, der Schreibstil war mir oft zu flach und die Bücher wurden eher gezwungenermaßen beendet als mit Freude.
    Inzwischen achte ich bei der Wahl meiner Bücher mehr auf mich selbst, meinen Geschmack, meine Interessen – ebenso natürlich auch auf Autoren oder Verlage (da habe ich schon Präferenzen feststellen können).
    Mit der Wahl von Klassikern machte ich selten was falsch, irgendwie konnte man ja auch aus jedem Buch etwas mitnehmen.
    Im Grunde genommen denke ich ähnlich wie du. Dass man differenzierter liest, sich eingehender mit Büchern beschäftigt, sich aber auch selbst besser kennenlernt.
    Inzwischen beäuge ich meine Sterne-Vergabe bei den Rezensionen auch oft kritisch, aber die Bücher die ich lese gefallen mir oftmals so gut, dass ich einfach keine Mängel finden kann. 🙂 Aber daran ist ja auch nichts schlechtes.

    Hab einen wundervollen 4. Advent. 😉

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    1. Tausend Dank für deine ausführliche Antwort. 🙂
      Irgendwie ist es schon so, dass man aus jedem Buch etwas mitnehmen kann. Grad gestern habe ich die Gastrezi zu einem Buch geschrieben, dass ich wohl selber nie gelesen hätte. Ich fand es auch nicht sonderlich gut, aber die Thematiken und die Entwicklung der Charaktere war schon spannend. Somit konnte ich dann doch wieder einen Gewinn daraus ziehen.
      Am wichtigsten finde ich ja wirklich, dass Lesen einfach Spass macht und ob man im Endeffekt halt alle Bücher nur super gut bewertet ist ja auch irgendwie nebensächlich. 🙂 Aber spannend zum drüber nachdenken ist es allemal.

      Dir auch einen tollen 4. Advent!

      Gefällt 1 Person

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