[Plauderecke]: von früher und heute und wie sich mein Leseverhalten verändert hat

Plauderecke

Schon lange schwirren mir ein paar Gedanken und Themen im Kopf rum, die sich einen Weg raus ans Tageslicht suchen. Nun versuche ich sie mal in Worte zu packen.
Anfangen möchte ich mit einem Blick auf mein Leseverhalten und wie sich dieses durch das bloggen verändert hat.

Mein Leseverhalten früher und heute

Ja, das hat sicherlich jeder schon einmal an sich bemerkt, das Leseverhalten ändert sich mit der Zeit. Das mag ja auf den ersten Blick nur natürlich sein, man wird älter, entwickelt andere Interessen und geht einer (hoffentlich) geregelten Arbeit nach. Klar verändert sich da auch der Bezug zu Büchern. Vielleicht mag man nach einem anstrengenden Arbeitstag nicht mehr lesen und lässt sich lieber von einem guten Film berieseln, oder man flüchtet in die Welt der Bücher, um von eben diesem Arbeitstag abzuschalten.
Wie auch immer geartet die persönlichen Interessen und Vorlieben sind, so haben sie doch alle ihren Platz. Aber darum soll es in diesem Beitrag eigentlich gar nicht gehen, sondern ich wollte mal einen näheren Blick auf mein persönliches Leseverhalten werfen.

bibliothek-rijksmuseum
Bibliothek im Rijksmuseum, Amsterdam

Früher

Gehen wir mal etwas zurück in der Zeit. Wie habe ich denn früher gelesen? Ich kann mich an keine Zeit in meiner Kindheit erinnern, in der Bücher und Geschichten nicht die ein oder andere Rolle gespielt hätten. Schon früh wurde mir von meinen Eltern und Grosseltern Gute Nacht Geschichten vorgelesen. Ich kann mich da an das Kleine Gespengst erinnern oder an die Kleine Hexe mit ihrem Raben Abraxas. Diese Bücher habe ich geliebt. Es gab aber auch andere, wie das Rösslein Hü, das mir Alpträume bescherte und das ich mich heute noch weigere zu lesen.
Sobald ich dann selbst lesen konnte, zog es mich in Bibliotheken. Zuerst mit meinem Papa in die kleine Bücherei in unserem Quartier, später dann auch in die Schulbibliothek oder die grosse Stadtbibliothek. Mindestens einmal die Woche war ich dort anzutreffen, aber schon damals hatte ich meinen ziemlich eigenen Büchergeschmack.
Angefangen hat es mit unserer Nachbarin, die ihre alten Kinderbücher ausmistete und mir vererbte. So entdeckte ich die Werke von Astrid Lindgren. Besonders angetan hatten es mir die Geschichten rund um die Kinder von Bullerbü, die ich mit meinen Puppen und Teddybären gar nachstellte. Pippi Langstrumpf und der Michel aus Lönneberga hingegen waren mir zu frech und unartig, die habe ich nie gerne gelesen (auch die Filme habe ich nicht geguckt).
Etwas später dann bekam ich von der selben Nachbarin weitere ausgemistete Bücher geschenkt. Diesmal jene von Federica de Cesco. Diese Frau hat meine Vorliebe für Bücher nachhaltig geprägt. Damals las ich meist typische Jugendbücher, von jungen, starken Frauen, die ein schweres Schicksal meistern mussten. Oft ging es dabei auch um unterdrückte und fremde Kulturen. Natürlich mischte sich auch ab und zu eine Liebesgeschichte irgendwie mit ein, aber meist stellte sich diese nicht so in den Fokus. Was Federica de Cescos Bücher aber auszeichnete, war (oder ist) die ungeheure Spannung in ihren Geschichten. Bald konnte ich die Bücher von Astrid Lindgren nicht  mehr lesen, da sie mir einfach zu langweilig und ereignislos waren. Dafür verschlang ich andere Bücher, die Geschichten rund um Ann und Chee (Der rote Seidenschal), oder auch die drei ??? und die Knickerbocker Bande. Bald kamen dann die Krimis von Agatha Christie oder Bücher von Rainer M. Schröder (z.Bsp.: Die wundersame Weltreise des Jonathan Blum) dazu.

Jetzt wo ich darüber schreibe, würde ich gerne all diese Bücher noch einmal lesen… Ach herrje! 🙂
Damals ging ich wirklich sehr wählerisch vor, bei der Auswahl meiner Bücher. Versprach der Klappentext nicht wenigstens ein bisschen Spannung, so gab ich dem Buch gar nicht erst eine Chance. Hatte ich dann aber mal eine richtig gute Geschichte entdeckt, so versuchte ich möglichst viele Bücher des Autors zu lesen, denn die eine Geschichte war ja gut, also werden es die anderen wohl auch sein, nicht?
Ich war aber auch unerbittlich, sobald mich ein Buch nicht packte oder langweilig war, habe ich es nicht zu Ende gelesen. So habe ich wohl auch das ein oder andere Meisterwerk verpasst.

Durch das Gymnasium wurde mein Lesegeschmack etwas verbreitert. Ihr kennt das sicher alle, wenn man sich im Deutschunterricht mit Klassikern von Goethe, Kafka, Shakespeare und Lessing rumschlagen muss. So entdeckte ich aber doch das ein oder andere Buch, das ich sehr gerne las. Und unser Lehrer war zum Glück nicht allzu versteift auf diese klassische Literatur, so dass er auch Vorschläge aus der Klasse entgegen nahm. Dadurch entdeckte ich Ingrid Noll, von der ich eine zeitlang blind alle Bücher kaufte und las. Überhaupt öffnete mir der Deutschunterricht die Augen für neue Buchgenres und Autoren.
Lange blieb ich dennoch meiner Vorliebe für Krimis und spannungsvolle Bücher treu.

trinity-college-dublin
Trinity College, Dublin

Und heute?

Durch das Bloggen hat sich mein Leseverhalten grad nochmals verändert. Wie das?
So wie die Jungfrau zum Kind, so bin ich ans Bloggen gelangt. Völlig unvorbereitet und durch eine spontane Idee zum Bauch heraus. Konzept? Fehlanzeige. Ahnung von irgendetwas? Wo denkt ihr hin. Ich habe zu dieser Zeit nicht mal mehr gelesen. Ja genau, als ich meinen Buchblog startete, steckte ich in einer der übelsten Leseflauten überhaupt. Ehrlich, das könnt ihr euch nicht vorstellen. Ich hatte seit Monaten kein Buch mehr in den Händen gehalten und dann möchte ich einen Blog über Bücher und das Lesen starten… Aber es hat funktioniert!
Durch den Blog kam ich aus meiner Leseflaute heraus und entdeckte nebenbei ein paar ganz tolle neue (und vor allem andere) Bücher und lernte ganz liebe Menschen kennen.

Tja, und was hat dies nun mit meinem veränderten Leseverhalten zu tun? Ziemlich viel sogar, denn bevor ich bloggte, las ich wie bereits erwähnt, hauptsächlich Krimis und Thriller. Die nordischen Autoren wie Henning Mankell, Jussi Adler Olson oder Stig Larsson waren hoch in meinem Kurs. Aber es war eben auch immer in etwa das gleiche. Ein abgehalfterter Kommissar, grausige Morde und die düstere Skandinavische Landschaft mit ihren langen Wintern. Und über allem diese Melancholie. Irgendwann einmal hatte ich es gesehen. Nicht dass ich jetzt denke, diese Bücher sind schlecht, ich würde sie nach wie vor jedem empfehlen, aber bitte schön nur Häppchenweise und nicht alle hintereiander.
Ich denke, dass darin auch meine Leseflaute begründet war. Ich brachte es nicht fertig über meine eigene Nasenspitze zu schauen und andere tolle Bücher zu entdecken. Und da kommen eben die Buchblogs ins Spiel. Sie eröffneten mir völlig neue Welten und brachten mir Bücher näher, die ich vor gut drei Monaten nicht in die Finger genommen hätte. Und so hat sich halt mein Lesegeschmack wieder einmal verändert und ist um einiges breiter geworden.
Und durch diese tollen Blogs mit ihren Buchempfehlungen ist auch meine Lust am Lesen wieder zurück gekommen. Daher kann ich im Moment gar nicht genug neue interessante Bücher kaufen und lesen. Nach wie vor achte ich darauf, ob mich eine Geschichte auch anspricht, ich kaufe nicht einfach wahllos Bücher ein. Im Notfall studiere ich schon mal Verlagsseiten und google nach Rezensionen anderer Blogger. Ich denke, dass ich nach wie vor sehr bewusst auswähle, was ich lese und durch die Fülle an neuen Möglichkeiten, muss ich mich gezwungenermassen etwas mehr mit der Materie auseinandersetzen. Die Buchhändlerin bei uns im Dorf kennt mich mittlerweile schon ganz gut und zeigt mir auch immer mal wieder Bücher, die mir gefallen könnten.

Wo ihr mich dafür heute weniger finden werdet, ist in Bibliotheken. Ich habe zwar erst grad kürzlich meinen Bibliotheksausweis wieder erneuert, allerdings bin ich bis heute nicht mehr hingegangen. Ich glaube, es liegt zum einen daran, dass ich mich durch die Ausleihfristen doch oft sehr gestresst fühle und das Gefühl habe, das Buch immer grad sofort lesen zu müssen und keine Pausen machen zu können. Und zum anderen möchte ich Bücher auch einfach gerne besitzen und immer wieder auf sie zurück greifen können, wenn mir die Lust danach steht.
Manchmal steht das echt im Widerspruch mit meinem Bedürfnis auszumisten und nicht alles zu besitzen und zu horten. Allerdings fällt mir das bei Büchern sehr schwer, der Traum der eigenen kleinen Bibliothek schwirrt dann halt doch noch irgendwo in meinem Kopf rum.

Tja und so lese ich jetzt halt von Simon Beckett über Jodi Picoult bis hin zu Stephen King oder Terry Pratchett so ziemlich alles, was das Bücherherz begehrt und mich anspricht.

Habt ihr über die Zeit eine Veränderung in eurem Leseverhalten bemerkt? Lest ihr anders, seit ihr bloggt?  Auf eure Kommentare und Berichte bin ich sehr gespannt. unterschrift

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Verfasst von

Ich liebe Bücher, Katzen und Menschen. Und zwar in dieser Reihenfolge. Ausserdem koche und backe ich sehr gerne und liebe es auf Entdeckungsreise zu gehen.

8 Kommentare zu „[Plauderecke]: von früher und heute und wie sich mein Leseverhalten verändert hat

  1. Liebe Nela – du sprichst mir so aus dem Herzen. Zum einen kenne ich alle deine erwähnten Bücher aus der Kindheit (Jonathan Blum – muss ich nochmal lesen), zum anderen geht es mir wie dir mit dem veränderten Leseverhalten. Ich finde es immer wieder total spannend, wie sehr sich mein Geschmack seit April verändert hat. Dieses „über-den-Tellerrand-schauen“ hat so viel bewirkt und tut es immer noch …. Ist das nicht großartig?! 🙂

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Nela, ein wirklich toller Beitrag und ein interessantes Thema. Ich finde mich auch bei deiner Erzählung in ein paar von deinen Punkten wieder. Erst vor kurzem musste ich ein Buch in der Bücherei zurückgeben und Strafe zahlen, weil ich die Frist überzogen habe und hatte das Buch noch nicht einmal angefangen -.-
    Für mich haben Bücher auch immer eine große Rolle gespielt (Cornelia Funke war meine erste Lieblingsautorin), ich hatte dabei schon immer eine Vorliebe für Fantasy, die sich früher stark auf Elfen und Vampire beschränkt hat, aber ich hab auch gemerkt, dass man nicht immer das Gleiche lesen kann. Letztes Jahr im Oktober bin ich im Internet dann auf ein Forum mit Leserunden (www.literaturschock.de) gestoßen, und weil es dort eine Leserunde von Nina Blazon gab zu einem Buch, auf das ich schon sehnsüchtig gewartet habe („Der Winter der schwarzen Rosen“), wollte ich unbedingt mitmachen. Das Diskutieren in einer solchen Runde mit anderen Leuten, die so bücherbegeistert sind wie ich, hat mir dann so viel Spaß gemacht, dass ich damit weitergemacht und dann zusammen mit einer Freundin unseren eigen Blog gestartet habe. Seitdem lese ich auch Bücher, die ich mir vielleicht früher nicht ausgesucht hätte, weil sie keinen phantastischen Hintergrund haben, die mir aber überraschenderweise unglaublich gut gefallen („Die Tochter der Nachtigall“ zum Beispiel). Außerdem lese ich -im Gegensatz zu früher- Bücher parallel, was einfacher ist als ich eigentlich gedacht hätte, aber auch nicht immer so positiv ist 🙂
    So das ist jetzt ganz schön viel geworden^^

    Liebe Grüße
    Sara

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    1. Liebe Sara,
      herzlichen Dank für deine ausführliche Antwort. Es ist schon spannend, wie sich das eigene Verhalten verändert hat. Vieles merkt man ja erst, wenn man mal einen genaueren Blick darauf wirft.
      Bei Leserunden habe ich bis jetzt noch nicht wirklich mitgemacht. Vielleicht wär das mal was… 🙂
      Herzlich, Nela

      Gefällt 1 Person

      1. Ja gerne 😉 Stimmt über sowas macht man sich ja sonst auch nicht sooo viele Gedanken xD
        Ja kann ich dir nur empfehlen 🙂 Gerade wenn ein Buch super spannend oder verwirrend ist, kann man sich gleich mit jemandem austauschen, der das gleiche Buch gelesen hat.

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  3. Die „Knickerbocker Bande“ habe ich geliebt. Aber ich habe grundsätzlich früher so gut wie alle Bücher von Thomas Brezina verschlungen. „Das Tigerteam“ stand bei mir damals auch besonders hoch im Kurs 😉
    Schöne Grüße

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