[Buchbesprechung]: „Noah“ von Sebastian Fitzek

»Was war ein Leben schon wert, wenn man nicht wusste, woher man kam, was für Wurzeln man hatte und wieso diese von der Axt des Schicksals offenbar mit einem gewaltigen Hieb gekappt worden waren?« (S.23)

Erster Satz:
Alicia wurde von der Stille geweckt.

Klappentext:
Er kennt seinen Namen nicht. Er hat keine Ahnung, woher er kommt. Er kann sich nicht erinnern, warum er in Berlin ist, seit wann er hier auf der Strasse lebt. Die Obdachlosen, mit denen er umherzieht, nennen ihn Noah: Dieser Name ist in seinen rechten Handballen tätowiert.
Für Noah wird die Suche nach seiner Identität zu einem Alptraum. Denn wie es scheint, ist er das wesentliche Schlüsselelement einer globalen Verschwörung, die bereits zehntausende Opfer gefordert hat und nun die gesamte Menschheit bedroht…

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Meine Meinung:
Hui, Sebastian Fitzek legt in diesem Buch ein mehr als nur rasantes Tempo an den Tag. Die Seiten lassen sich so schnell umblättern, wie man mit dem Finger über ein Tablet wischt. Kurze Dialoge, Kapitel, die auf den Punkt gebracht sind, Szenenwechsel wie Filmschnitte, keine Längen und unnötigen Erklärungen. Nach diesen ersten Kapiteln im Buch verstehe ich, warum der Mann eine so grosse Fan-Gemeinde hat. Allerdings lassen mich die vielen, erstmal zusammenhangslos erscheinenden Erzählstränge auch recht verwirrt und planlos zurück. Um was geht es jetzt eigentlich genau in diesem Buch?

»Aber da ich nicht annehme, dass Sie ihr Leben grundlegend verändern wollen, werde ich Ihnen nicht das Impfmittel gegen die Manila-Grippe zur Verfügung stellen.« (S.81)

Kurz zusammengefasst: In „Noah“ strebt eine radikale Gruppe von Supermächtigen durch Genmanipulation einen Massenmord an. Und alles nur, um die Welt vor Überbevölkerung und Ressourcenknappheit zu schützen. Das Einzige, was die Pläne dieser Organisation noch durchkreuzen kann, ist ein Video. Doch wo sich dieses befindet, weiss nur eben jener Mann, der sein Gedächtnis verloren hat. Und der ist unauffindbar. Durch eine Falle lässt sich Noah aus seinem Versteck locken und eine Hetzjagd quer durch Europa beginnt.
Gleichzeitig bricht in mehreren Teilen der Welt eine grippeartige Pandemie aus, doch der Impfstoff ist knapp. Die Ankündigung vom weltweit einflussreichsten Non-Profit-Pharma-Boss, dass er sein Impfmittel nur noch an die ärmsten der Armen verteilen will, löst eine Massenpanik und Bürgerkriegsähnliche Zustände rund um den Globus aus.
Das Militär riegelt daraufhin die Elendsviertel ab, damit deren Bewohner nicht an die lebensrettenden Mittel gelangen. In einem Slum in Manila kämpft Alicia um das Überleben ihres Säuglings, was ihr nur gelingen kann, wenn sie auf die andere Seite der Barrikaden gelangt.

Ihr seht, sich in dieser Vielzahl von Handlungssträngen irgendwie zurecht zu finden ist anfangs gar nicht so leicht. Und mit seinem Tempo macht es Sebastian Fitzek dem Leser auch nicht unbedingt leichter. Grad zu Beginn wurde ich übermannt von dem Gefühl in einem Kino zu sitzen und einen Film auf mich einwirken zu lassen, aber von der Handlung noch überhaupt keinen Plan zu haben.
Je mehr man sich jedoch in die Geschichte einliest und die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Handlungssträngen erkennbar werden, desto verständlicher und übersichtlicher wird die ganze Sache. Und dann ist es einfach nur noch ein verdammt guter und rasanter Thriller.

»Wenn alle so leben würden, wie die Amerikaner und Europäer, hätten wir schon heute nicht mehr genügend Wasser zur Verfügung, um die Ackerflächen der Erde zu bewirtschaften. Wie soll es da erst 2050 aussehen, wenn wir neun Milliarden ernähren müssen?« (S.371)

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Bemerkenswert ist die Verknüpfung von seriösen Wissenschaftsthemen mit sogenannter Trivialliteratur. Geschickt baut Fitzek Energiekrise, Klimawandel, Überbevölkerung und Verschwörungstheorien in seinen Plot ein, schürt unsere Ängste und treibt sie gekonnt auf die Spitze.
Das erinnert irgendwie stark an die Thriller von Dan Brown. Aber ganz ehrlich, es liest sich richtig gut. Wie ich bereits zu Beginn schrieb, wähnte ich mich oft mehr in einem spannenden Film als in einem Buch. Und so funktioniert „Noah“ auch, wie Popcorn-Kino aus Hollywood. Und das ist erstaunlich gut.
Allerdings vergisst man als Leser nie wirklich, dass man ’nur‘ ein Buch liest, das gute Unterhaltung bietet und sich auch noch kritisch mit dem Thema Umweltpolitik auseinander setzt. Es bleibt zu hoffen, dass Fitzek beim ein oder anderen Leser ein Umdenken in Gang gebracht hat. Etwas lernen kann man in jedem Fall.

Sebastians Fitzeks Schreibstil ist speziell, prägnant und auf seine Weise auch sehr fesselnd. Er vermag es mit einfachen Worten komplizierte Zusammenhänge verständlich zu machen und dabei eine Spannung aufzubauen, die einem das Buch nicht mehr aus den Händen legen lässt. Wenn dieses Buch kein Pageturner ist, dann weiss ich auch nicht.

Und auch das Cover passt hervorragend zur Geschichte, oder was ist auf Noahs Handballen tätowiert? Eben.
Einen Schrecken hat mir das Cover aber dennoch eingejagt, als ich mich einmal Mitten in der Nacht zu meinem Nachtschränkchen umgedreht habe, aber probiert es am besten selbst aus.

»Was war ein Menschenleben wert, und wann musste man es opfern, wenn das Ziel es verlangte?« (S.412)

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Fazit:
Lese-Tipp
„Noah“ ist ein packender Thriller der etwas anderen Art, unglaublich spannend und unterhaltsam. Das Buch vermag aber auch auf einer anderen Ebene zu überzeugen und bringt dem Leser Fakten und Zahlen näher, die aufrütteln und stellt Fragen, die zum nachdenken anregen. „Noah“ ist zwar das erste, aber definitiv nicht das letzte Buch, welches ich von Sebastian Fitzek gelesen habe. Was würdet ihr mir als nächstes empfehlen?


Verlagsinfo:

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Durch den Klick auf das Buchcover gelangt ihr zur Verlagsseite.

Taschenbuch
558 Seiten
Erschienen am: 18. Dezember 2014
im Verlag Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-17167-5

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Verfasst von

Ich liebe Bücher, Katzen und Menschen. Und zwar in dieser Reihenfolge. Ausserdem koche und backe ich sehr gerne und liebe es auf Entdeckungsreise zu gehen.

6 Kommentare zu „[Buchbesprechung]: „Noah“ von Sebastian Fitzek

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