[Buchbesprechung]: „Eleanor & Park“ von Rainbow Rowell

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»Es gibt keinen Grund zu glauben, dass wir uns irgendwann nicht mehr lieben«, sagte er. »Und es gibt jeden Grund zu glauben, dass es nicht so kommt.«

Erster Satz:
XTC taugte nicht dazu, die Schwachköpfe hinten im Bus zu übertönen.

Klappentext:
Sie sind beide Aussenseiter, aber völlig verschieden: Die pummelige Eleanor mit ihrer roten Lockenmähne und den viel zu weiten Herren T-Shirts, und der gutaussehende, aber zurückhaltende Park. Als er ihr im Schulbus notgedrungen den Platz neben sich frei macht, halten sie wenig bis nichts voneinander. Park liest demonstrativ oder hört Musik, Eleanor ist froh, nur ignoriert statt gemobbt zu werden. Zu Hause hat sie mit vier Geschwistern und einem tyrannischen Stiefvater genug Ärger. Doch als sie beginnt, Parks Comics stumm mitzulesen, entwickelt sich ein ganz eigener Dialog zwischen den beiden. Zögerlich tauschen sie Lieblingsmusik, Meinungen und Vorlieben aus. Dass sie sich inneinander verlieben und eine Chance kriegen, scheint beinahe unmöglich. Doch ihre Annäherung gehört zum Intensivsten, was man über die Liebe lesen kann.

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Meine Meinung:
Ich habe von diesem Buch ja schon einiges gehört, von Himmel hoch jauchzenden Stimmen, bis zu jenen, die die Geschichte regelrecht in der Luft zerfetzt haben. Da hatte ich irgendwann dann doch das Bedürfnis, mir mein eigenes Urteil zu bilden.
Und ich kann beide Lager verstehen und gewisse Punkte sogar selbst nachvollziehen. Aber von vorne.
Die Achtziger Jahre an einer Highschool in Amerika, das Zeitalter von Mixtapes, Föhnfrisuren und revolutionärer neuer Musik. Und Musik und Comics bilden auch das Fundament der Freundschaft von Eleanor und Park. Im Bus zur Schule sitzen die beiden nämlich immer nebeneinander, erst einander ignorierend, bis Eleanor irgendwann beginnt Parks Comics mitzulesen. Das ist der Beginn einer zarten Freundschaft und grossen Liebe.
Das Buch beginnt still und leise, so wie die Freundschaft der zwei. Erst nach und nach gewinnt das Buch an Tiefe und zieht den Leser so langsam in die Geschichte hinein. Zu Beginn merkt man nämlich gar nicht um was für ernste Themen es in diesem Buch geht, um Häusliche Gewalt, sexuelle Übergriffe, Mobbing, Armut und darum sich selbst in all diesen misslichen Umständen irgendwie zu finden und sich treu zu bleiben. Ja, ich würde fast behaupten, dass es ein sehr ernstes und stilles Buch ist, das aber doch irgendwo bewegt.

»Wenn Park sie jetzt ansehen würde, wüsste er alles.
Aber er sah sie nicht an. Er wickelte den Schal um seine Finger, bis ihre Hand zwischen ihrem und seinem Sitz hing.
Dann schob er die Seide samt seinen Fingern in ihre offene Hand. Und Eleanor löste sich vollkommen auf.«

Rainbow Rowell pflegt einen sehr speziellen Schreibstil, ihre Beschreibungen sind kurz und knapp, kein Wort ist zu viel, nichts verschwendet. Und doch entwickelt sie eine unglaubliche Kraft und Poesie in ihren Worten. Ich denke, das ist eine grosse Kunst und eine wahre Stärke dieses Buches. Es wird weder kitschig noch alles durch die rosarote Brille betrachtet. Allerdings hatte ich auch manchmal meine Mühe mit den kurzen, abgehackten Sätzen und den schnellen Perspektiven-Wechsel. Ein richtiger Lesefluss wollte nicht aufkommen.

»Haben und halten. Nicht für immer vielleicht – ganz bestimmt nicht für immer – und nicht im übertragenen Sinn. Aber im buchstäblichen. Und jetzt. Jetzt gehörte er ihr. Und er wollte, dass sie ihn berührte. Er war wie die Katze, die den Kopf unter ihre Hände schob.«

Oft habe ich während dem Lesen mit gelitten. Besonders Eleanors Schicksal ist sehr bewegend. Umso faszinierender fand ich ihre Persönlichkeit, ihr Wille und ihre Art anders sein zu wollen. Und dann doch hinter all der Fassade ihre eigene Unsicherheit, ihre Minderwertigkeitskomplexe und Ängste.

»Er verstand, warum Eleanor unbedingt so anders aussehen wollte. Irgendwie. Weil sie nämlich anders war – weil sie keine Angst hatte, anders zu sein. (Vielleicht hatte sie noch grössere Angst davor, so zu sein, wie alle anderen.)«

Aber auch Park hatte sein Päckchen zu tragen und fand sich selbst immer wieder in einem Konflikt wieder. Auf der einen Seite mochte er Eleanor für ihr anders sein und oft genug schämte er sich auch für sie. Und diese zwei Empfindungen unter einen Hut zu bringen ist mit 16 nicht gerade einfach.
Es gab aber auch Charaktere, die mich als Leser überraschten, Tina zum Beispiel. Und andere, wo ich das Buch manchmal am liebsten gegen die Wand geworfen hätte, wenn von ihnen die Rede war. So wie Eleanors Mutter. Ich habe gehasst, wofür sie steht und den Gedanken, dass viel zu viele Kinder in solch einer häuslichen Situation feststecken.

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Die wirkliche Stärke dieses Buches liegt in seiner psychologischen Dichte und in der Kraft seiner Worte. Unzählige Gefühle werden angesprochen, soziale Missstände beleuchtet und über allem liegt diese zarte und doch so intensive Liebesgeschichte. Wie bereits zu Beginn erwähnt, es ist ein ernstes Buch, ein Buch, dass den Leser auf die ein oder andere Art bewegt. Und so empfinde ich auch diesen Schluss als passend, alles andere wäre kitschig und unglaubwürdig geworden. Auch wenn ich von vielen gehört habe, dass sie sich unglaublich ab diesem offenen Ende gestört haben.

Fazit:
Leider ist dieses Buch dennoch nur eine Strandlektüre für mich. Das mag jetzt verwundern, da meine Bemerkungen und Gedanken zu dem Buch doch eigentlich durchwegs positiv waren.
StrandlektüreVielleicht muss ich das ein bisschen erläutern.
Zum einen hatte ich wirklich Mühe mit dem Schreibstil von Rainbow Rowell. Wie bereits erwähnt, stellte sich bei mir kein richtiger Lesefluss ein. Und das empfinde ich doch als sehr störend beim Lesen. Die vielen Perspektiv-Wechsel, die abgehackten Sätze passen wohl zu der Geschichte und den Protagonisten, für mich zum Lesen war es aber nicht wirklich ein Genuss.
Zum anderen wurde ich mit den beiden Protagonisten nicht so wirklich warm. Klar, ich habe mitgelitten und mich mitgefreut, ich habe gehasst und gelacht. Das lag aber auch hauptsächlich an den „schweren“ Umständen und Eleanors Familiensituation. Die Liebesgeschichte, so zart und herzlich sie auch war, empfand ich dann doch oft als etwas zu langatmig.


Velagsinfo:

eleanor-parkDurch einen Klick auf das Cover gelangt ihr zur Verlagsseite.

übersetzt aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit
Erscheinungsdatum: 02.02.2015
368 Seiten
Hanser Verlag
Fester Einband
ISBN 978-3-446-24740-6
ePUB-Format
ISBN 978-3-446-24842-7

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Verfasst von

Ich liebe Bücher, Katzen und Menschen. Und zwar in dieser Reihenfolge. Ausserdem koche und backe ich sehr gerne und liebe es auf Entdeckungsreise zu gehen.

7 Kommentare zu „[Buchbesprechung]: „Eleanor & Park“ von Rainbow Rowell

  1. Huhu,

    schön geschrieben. Wie gesagt. Mich konnte das alles nicht überzeugen und mit dieser Art von Liebesgeschichte konnte ich einfach nichts anfangen. Die Charaktere waren mir auch einfach zu unsympatisch. Und dieser 80er Jahre Touch war für mich wie gesagt jetzt auch nicht so besonders, weil ich da aufgewachsen bin. Na ja zumindest mehr oder weniger in den 80ern. Da hätte man vielleicht einfach auch mehr draus machen können. Ich meine aus dem ganzen Buch. Potential hatte es.

    LG Corly

    Gefällt 1 Person

  2. Ich hab’s inzwischen fertig gelesen🎊
    Mir gefällt der melancholische Touch, der sich durch die Geschichte zieht. Als Jugendbuch schneidet es ausserdem wirklich wichtige Themen an, die du ja auch erwähnt hast. Ich würde es Jugendlichen im Alter der Protagonisten empfehlen👍

    Gefällt 1 Person

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