Rezension | Jussi Adler Olson – Das Alphabethaus

»Ein Mörder, ein Sadist, ein Simulant, ein Wagner-Liebhaber, das war Lankau – und sicher noch vieles mehr. Er war genauso vielschichtig, unehrlich und bitter, wie viele Menschen es unter der Oberfläche waren. Wer konnte schon von sich behaupten, nicht auch etwas von einem Lankau in sich zu haben?«

Erster Satz:

Das Wetter war alles andere als gut.

Klappentext:

1944. Die britischen Piloten Bryan und James, unzertrennliche Freunde von Kindesbeinen an, stürzen über deutschem Territorium ab. Schwerverletzt und unter falscher Identität gelangen sie in ein Sanatorium für Geisteskranke im Schwarzwald. Ihr Leben als Simulanten im „Alphabethaus“ wird zur Hölle auf Erden.
Werden sie, wird ihre Freundschaft überleben? – Jahrzehnte später brechen sich die entsetzlichen Ereignisse der damaligen Zeit noch einmal gewaltsam Bahn… (Quelle: Klappentext)

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Idee/Umsetzung:

Auf den ersten Blick erscheint dieses Buch, als eine Geschichte über den zweiten Weltkrieg. Bei genauerem Hinsehen entpuppt es sich jedoch viel mehr als ein Buch über menschliches Versagen und wie leicht es passiert, dass Menschen einander im Stich lassen.
Besonders spannend an Adler Olson’s Buch fand ich die Idee, dass gesunde Menschen sich in einer Nervenheilanstalt verstecken. Die ganze Zeit über schwang die Frage mit, wie lange die beiden Protagonisten wohl in diesem Milieu überleben können ohne selbst verrückt zu werden.
Das Buch selbst ist in zwei Teile unterteilt. Der erste Teil beginnt eben mit dem Flugzeugabsturz und endet mit der Flucht von Bryan aus dem Lazarett. Der zweite Teil spielt dann rund 30 Jahre später während den Olympischen Spielen in München. Wo Bryan zurück kehrt um nach seinem Freund zu suchen.

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Schreibstil:

Jussi Adler Olson schreibt flüssig und leicht zu lesen. Er vermag es Bilder zu zeichnen und so den Leser in die Geschichte hinein zu ziehen.

Als der Alte ihn so behutsam bei den Schultern gefasst hatte, hatte er damit unbeabsichtigt das geweckt, wogegen Gerhart am wenigsten ankämpfen konnte. Die Lust etwas zu empfinden. Ohne das letzte Teil ist kein Puzzle fertig. Ohne Puzzle keine Gedanken. Ohne Gedanken keine Gefühle. Und ohne Gefühle keine Reaktion. Diese Kettenreaktion war durch Stichs behutsame Berührung in Gang gesetzt worden. Allerdings in einer ziemlich chaotischen Reihenfolge. Die zarten Hände hatten Gefühle geweckt. Die Drohung gegen Petra war das letzte Puzzleteil. Als Peter Stich sich nicht mehr behutsam gab, sondern wieder drohte, setzte die Reaktion ein. Das Puzzle war komplett.

Trotz der guten Idee des Buches, tat ich mich zeitweise sehr schwer mit lesen. Den ersten teil empfand ich als äusserst spannend, wohingegen der zweite Teil einige Längen aufweist. Nichts desto Trotz lässt Adler Olson im Schlussteil seine Klasse wieder aufblitzen. Dort folgen die Ereignisse Schlag auf Schlag.
Die Geschichte wird mehrheitlich aus Bryan’s Perspektive erzählt, allerdings nicht in Form eines Ich-Erzählers.

Charaktere:

Durch den Erzählstil lernt man Bryan’s Gedankenwelt sehr genau kennen. James bleibt da leider etwas auf der Strecke.
Auch von der Freundschaft und Verbundenheit der beiden spürt man nicht wirklich viel. Bryan erscheint mir ausserordentlich teilnahmslos gegenüber den Qualen, die sein Freund im Alphabethaus erlitten hat.
Fassbarer erscheinen mir da die anderen Simulanten aus dem Alphabethaus, auch wenn diese bei weitem nicht so viel Raum einnehmen. Aber die Absichten ihren Handelns werden für mich deutlicher dargestellt, als jene von Bryan zum Beispiel.

Cover/Innengestaltung:das-alphabethaus4

Das Cover glänzt mit seinen starken Farbkontrasten, der matten Oberfläche und der glänzenden, leicht erhöhten Schrift. Allerdings hat sich mir die Bedeutung des Bildes und dessen Verbindung zum Buch nicht ganz erschlossen.
Das Buch ist in zwei Teile unterteilt, zwischen denen ca. 30 Jahre liegen. Die Kapitel werden mit einfachen Zahlen in der gleichen Schriftart wie auf dem Cover gekennzeichnet.

StrandlektüreFazit:

Leider ist dieses Buch nicht mehr als eine Strandlektüre. Das Buch und die Geschichte sind grundsolide. Leider haben mich dann die Personen nicht ganz für sich überzeugen können. Und im zweiten Teil gibt es doch einige Längen.


Verlagsinfo:

Die Rechte am gezeigten Cover und am Klappentext liegen beim genannten Verlag.

das-alphabethaus erschienen am 1. August 2013

im dtv Verlag
übersetzt von Hannes Thiess und Marieke Heimburger

Taschenbuch, 592 Seiten

ISBN 978-3-423-21460-5

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