[Buchbesprechung]: „Das Leben ist gut“ von Alex Capus

»Zudem scheint mir an manchen Tagen, dass das Leben schon genug sei – dass es das Leben selbst sei, dem man Schönheit einhauchen müsse, statt es mit Kunst aufzuhübschen wie einen Weihnachtsbaum.«

Erster Satz:

Ich kann sie verstehen.

Klappentext: 

Zum ersten Mal in fünfundzwanzig Jahren Ehe schlafen Max und Tina nicht im selben Bett: Tina ist beruflich in Paris und Max bleibt in seiner Heimatstadt, wo er eine Bar betreibt. Durch die Abwesenheit seiner Frau wird ihm bewusst, was ihm wirklich wichtig ist im Leben.

Meine Meinung:

Er betreibt eine kleine Bar, tagsüber bringt er das Altglas weg, repariert das Mobiliar, oder begibt sich auf die Suche nach einem ausgestopften Stierkopf, der unbedingt über dem Tresen hängen soll. Max liebt sein Leben, so wie es ist, seine Familie, seine Freunde. Das reicht für Max um sich wohl zu fühlen. Veränderung ist für ihn eher stressig als angenehm. das-leben-ist-gut1
Max‘ Bar ist ein Ort der Ruhe und Beständigkeit, während vor den zwei grossen Fenstern das Leben vorbei hastet. Er pflegt sie mit Hingabe und beobachtet und hört zu wenn seine Gäste erzählen. Und so kennt er manche Geschichte, wie jene von der Jacke, die seit einem halben Jahr an der Garderobe hängt.
Ihm genügen diese Erzählungen seiner Gäste, um in andere Welten einzutauchen.
Max ist quasi ein Anti-Held, ihm geht es gut, er ist genügsam, glücklich verheiratet, hat drei Söhne und ist mit sich und dem Leben im Reinen. Er ist einfach nur so herrlich normal.

Ich mache, weil ich will. Weil es mir Spaß macht. Denn das Schöne, glaube ich, entsteht nicht aus Notwendigkeit, sondern ihr zum Trotz.

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„Das Leben ist gut“ ist ein ruhiges Buch, persönlich und leise, leicht dahin plätschernd erzählt es mitten aus dem Leben. Und ist dennoch nicht langweilig. Banales wird mit Schönem vermischt und oft genug erkennt man sich selbst wieder.
In diesem Buch finden sich liebevolle Trouvaillen, die einem ein Lächeln auf’s Gesicht zaubern und das Lesen zu einem kleinen Abenteuer werden lassen.
Liest man das Buch jedoch etwas genauer und nachdenklicher, so erzählt Capus eine Geschichte von Armut und Migration, Korruption, Betrug und Zerstörung und Verfall. Alex Capus schaut also durchaus unter die Oberfläche. Dennoch lässt er das nicht überhand nehmen und betont, dass jeder (und alles) seine guten Seiten hat. Das Leben ist gut.

Erzählt werden all die liebevollen, lustigen und herzerwärmenden Anekdoten aus der Sicht von Max, dem Protagonisten und Ich-Erzähler. So lernen wir ihn, seine Gedankengänge, seine Schrullen und seine Liebenswürdigkeit so richtig gut kennen und lieben. Er ist einfach normal, einer von uns, der mit sich und der Welt im Reinen ist. Und das finde ich so wunderbar erfrischend, keine vernarbte Seele und gebrochene Persönlichkeit. Einfach einer von uns halt.

Es ist eine grosse Aufgabe, in Würde alt zu werden. Jeder muss sie auf seine Weise lösen.

Zudem finde ich, dass das Buch auch optisch ein absoluter Hingucker ist. Der blass türkisfarbene Umschlag mit der roten Schrift als Kontrast und das schlichte, graue Büchlein darunter mit der knallig roten Innenseite, Ich finde es wunderschön.

Ich weiss, diese Rezension unterscheidet sich grundlegend von allen anderen, die ich verfasst habe. Allerdings berührt mich dieses Buch an einem Punkt, wo ich nicht anders Highlightkann und meine Eindrücke einfach ungefiltert „zu Papier“ bringen muss.

Fazit:
Dieses Buch ist ein absolutes Lesehighlight und ich kann es euch nur ans Herz legen. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.


Verlagsinfo:

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Durch einen Klick auf das Cover gelangt ihr zur Verlagsseite.

Erscheinungsdatum: 22.08.2016
240 Seiten
Hanser Literatur Verlag
Fester Einband
ISBN 978-3-446-25267-7
ePUB-Format
ISBN 978-3-446-25409-1

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Veröffentlicht von

Ich liebe Bücher, Katzen und Menschen. Und zwar in dieser Reihenfolge. Ausserdem koche und backe ich sehr gerne und liebe es auf Entdeckungsreise zu gehen.

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