Rezension | Simon Beckett – Die Chemie des Todes

»Es gibt ungefähr hunderttausend verschiedene Fliegenarten. […] Die meisten Menschen verstehen nicht, wozu Fliegen gut sind. Sie nerven und übertragen Krankheiten und ernähren sich dabei unterschiedslos sowohl von frischem Dung wie von feinster Küche, wobei sie in beiden Fällen das Aufgenommene wieder hochwürgen und auf die Nahrung erbrechen.
Aber wie alles in der Natur haben auch die Fliegen ihre Aufgabe.«(S.225-226)

Erster Satz:

Ein menschlicher Körper beginnt fünf Minuten nach dem Tod zu verwesen

Klappentext:

Sterben kann ewig dauern …
… aber der menschliche Körper beginnt kaum fünf Minuten nach dem Tod zu verwesen – und wird dann zu einem gigantischen Festschmaus für andere Organismen. Zuerst für Bakterien, dann für Insekten. Fliegen. Die Larven verlassen die Leiche in Reih und Glied, in einer Schlangenlinie, die sich immer nach Süden bewegt.
Ein Anblick, der jeden dazu veranlassen würde, das Phänomen zu seinem Ursprung zurückzuverfolgen. Und so entdecken die Yates-Brüder, was von Sally Palmer übrig geblieben war …
Die Tote war Schriftstellerin, eine Aussenseiterin in Devonshire. Verdächtiger Nummer eins ist der schweigsame Fremde im Dorf, ein Dr. David Hunter.
Doch es stellt sich heraus, dass er früher Englands berühmtester Rechtsmediziner war, und die Polizei bittet ihn um Unterstützung.
Gerade als seine Analysen zeigen, dass die Ermordete vor ihrem Tod tagelang gefoltert wurde, verschwindet eine weitere junge Frau. Eine fieberhafte Suche beginnt. Gleichzeitig bricht im Dorf eine Hexenjagd los. Der Pfarrer, ein knochiger Fanatiker, hetzt die Leute auf, und David ist Zielscheibe seiner Hasspredigten.

Idee/Umsetzung:

Ein abgelegenes Dorf, wo nicht viele Fremde vorbei kommen, eine eingeschworene Dorfgemeinschaft und dann passiert ein grausames Verbrechen. Natürlich geraten als erstes die Auswärtigen in Verdacht. An und für sich von der Idee her nichts Neues, doch Simon Beckett beweist ein Gespür für Stimmungen und Zwischentöne. Während des Lesens spürt man förmlich die dicke Luft und die Spannung.
Zudem fand ich die nüchternen rechtsmedizinischen oder forensischen Ausführungen und Erläuterungen äusserst spannend. Sie bildeten für mich einen guten Kontrapunkt zu den spannungsgeladenen Elementen des Buches.chemie-des-todes2
Den Plot würde ich ohne schlechtes Gewissen als konventionell und wenig überraschend bezeichnen, dennoch ist das Buch packend.

Schreibstil:

Wie bereits erwähnt wechseln sich nüchterne Beschreibungen von Ermittlungstechniken oder forensischen Erläuterungen mit sehr spannungsgeladenen und stimmungsvollen Handlungsteilen ab. Das machte das Buch für mich sehr spannend und abwechslungsreich zu lesen.

»Nein, ich will nicht die Leiche sehen, sondern den Ort, an dem sie gefunden wurde.« Ich konnte seine Gereiztheit durch die Leitung spüren. »Weshalb? Was soll das bringen?«
Mein Mund war trocken. »Ich werde nach Laub suchen.«

Zudem mag ich die klare, schnörkellose Sprache von Simon Beckett. Sie lässt einem das Buch irgendwie aus einer distanzierten Perspektive lesen und doch ist man mitten in der Handlung und fühlt mit.

Charaktere:

David Hunter ist die zentrale Figur einer ganzen Buchreihe. Dementsprechend sorgfältig baut Simon Beckett diesen Charakter auf, erzählt von seinem Hintergrund und den emotionalen Konflikten. So wird der Rechtsmediziner greifbar.
chemie-des-todes3Allerdings bleiben dafür die Nebencharaktere etwas auf der Strecke, Pfarrer Scarsdale beispielsweise. Er wirkt wie ein neuzeitlicher Hexenjäger.
Allerdings muss ich auch gestehen, haben mich die etwas farblosen Charaktere auch gar nicht gestört. Die Geschichte ist voll gepackt mit Stimmungsbildern, forensischen Erläuterungen und spannungsbeladener Action, da wären Charakterstudien wahrscheinlich zu viel des Guten gewesen.

Cover/Innengestaltung:

Das Cover finde ich in seiner Schlichtheit sehr ansprechend. Ich mag es, wenn mit Satzzeichen und Eindrücken gespielt wird. Irgendwie wirkt das Cover doch wie eine Todesanzeige, nicht?
Die Schlichtheit setzt sich auch in der Innengestaltung und der einfachen Kapitelbezeichnung fort.

Fazit:
Lese-Tipp
Einen Lese-Tipp von mir für dieses gelungene Buch. Für das goldene Herz hat es dann doch nicht gereicht, da mir der Plot doch zu einfach gestrickt und vorhersehbar war. Alles in allem habe ich das Buch aber regelrecht verschlungen, es bietet ausgezeichnete Unterhaltung.


Verlagsinfo:

Die Rechte am gezeigten Cover und am Klappentext liegen beim genannten Verlag.

die-chemie-des-todes erschienen am 1. August 2007

im rowohlt Verlag
übersetzt von Andree Hesse

Taschenbuch, 432 Seiten

ISBN:  978-3-499-24197-0

Die Reihe:

Chemie des Todes | Kalte Asche | Leichenblässe | Verwesung | Totenfang

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