Rezension | Terry Pratchett – Das Erbe des Zauberers

«Nun, der Nebel wird hier nur erwähnt, um die richtige Stimmung entstehen zu lassen; sein Wallen hat mit den folgenden Geschehnissen nichts zu tun. Der Vollständigkeit halber sei hinzugefügt, dass es ein recht erfahrener Nebel war, der die Kunst des Wallens ausserordentlich gut beherrschte.» (S. 10)

Erster Satz:
In der folgenden Geschichte geht es um Magie, wohin sie verschwindet und – was vielleicht noch wichtiger ist – woher sie kommt.

Klappentext:
Als der Magier Drum Billet seinen Zauberstab gemäss guter Sitte an den achten Sohn eines achten Sohnes übergeben will, macht er einen folgenschweren Fehler: Denn das Neugeborene ist ein Mädchen, und diesen ist der Zutritt zur unsichtbaren Universität verwehrt.
Nun kann nur noch Oma Wetterwachs den Zauberern in Sachen Gleichberechtigung auf die Sprünge helfen.

Idee/Umsetzung:
Terry Pratchett und die Scheibenwelt, was soll ich dazu noch gross sagen. Ein einzigartiges Universum mit einer Unendlichkeit an Möglichkeiten. Hier hat Terry Pratchett wirklich etwas für die Ewigkeit geschaffen. das-erbe-des-zauberers2
Mir gefällt die Idee der Geschichte, dass die Unsichtbare Universität durch einen Fehler eines alten, ehrwürdigen Zauberers seine erste weibliche Studentin bekommt. Ein bisschen Emanzipation schadet der Scheibenwelt nicht.

«‹Stimmt›, bestätigte Oma Wetterwachs. ‹So etwas nennt man Pschikologie.› […]‹Die Lehre von der eigenen Schläue und der Dummheit anderer Leute.›» (S.59)

Schreibstil:
Der Schreibstil von Terry Pratchett hält meines Erachtens für jeden etwas bereit, von versteckter Sozialkritik bis hin zu schwarzem Humor lässt sich für den aufmerksamen Leser so einiges finden.
Was mir an diesem Buch besser gefällt, als an den ersten zwei Scheibenwelt-Büchern ist die kontinuierliche und vor allem logische Handlung. Hier gelangt der Leser mit Eskarina wirklich von A nach B zu C. Es ist ganz klar ein logischer Aufbau zu erkennen.
Leider kommt das Ende dann doch irgendwie überraschend und ist ernüchternd. Es ist halt einfach plötzlich vorbei.

Charaktere:
Ganz klar zu erwähnen ist Oma Wetterwachs. Sie ist gewiss ein Fall für sich, sehr selbstbewusst und nie um einen Spruch verlegen. Ich könnte hier ganze Seiten mit Zitaten von ihr spicken.

«Oma Wetterwachs hielt die Zukunft für ein recht empfindsames Etwas, das sich sofort veränderte, wenn man es zu lange anstarrte.» (S. 189)

Im Laufe des Buches gewinnt man sie und ihre Weisheiten einfach nur lieb.
Auch Eskarina, das Mädchen, das zur ersten Zauberin der Scheibenwelt wird, ist zu erwähnen. Für ihr junges Alter wirkt sie bereits wahnsinnig erwachsen und überlegt. Sie hat sehr wenig kindliches und unbeschwertes an sich, was mich ein wenig stört. Ich frage mich, warum Terry Pratchett sie nicht älter gemacht hat.
das-erbe-des-zauberers3Zudem wird mir Simon, der stotternde Zaubererlehrling, im Laufe des Buches immer sympatischer.

Cover/Innengestaltung:
Nach wie vor bin ich der Meinung, dass das Cover recht kindlich wirkt. Nichts desto trotz gefällt mir vor allem die farbliche Gestaltung.
Es ist gewöhnungsbedürftig ein Buch zu lesen, in dem es keine Kapitel gibt. Die Abschnitte und Szenewechsel werden einfach durch grosse Lettern gekennzeichnet.

Lese-TippFazit:
Vier Herzen für dieses Werk. Die Handlung hat mich um einiges mehr überzeugt, als bei den beiden Vorgängern. Und ich freue mich darauf, noch mehr von Oma Wetterwachs zu lesen, bis lang meine liebste Figur auf der Scheibenwelt.


Verlagsinfo:

Die Rechte am gezeigten Cover, am Klappentext und zitierten Textstellen liegen beim genannten Verlag.

das-erbe-des-zauberers Erschienen am 11.05.2015
im Piper Verlag
288 Seiten, Kartoniert
Übersetzt von: Andreas Brandhorst
ISBN: 978-3-492-28060-0
Advertisements