[Plauderecke]: und wer ist jetzt behindert?

so, kaum aus den ferien zurück, heisst es ja meist wieder arbeiten. so auch bei mir. da es die letzten tage aber so richtig schön sommerlich war, ist auch teilweise die arbeit etwas freizeit gewesen. dazu möchte ich euch eine kleine begebenheit erzählen.

einige von euch wissen ja bereits, dass ich auf einer wohngruppe für menschen mit einer geistigen behinderung arbeite. nun traf es sich, dass wir uns wegen des guten wetters spontan dazu entschlossen den z’nacht am see bei uns im dorf einzunehmen (ohje, das wort!)
gesagt, getan. die brötchen wurden eingepackt, badehosen montiert und sonnencreme aufgetragen.
natürlich waren wir nicht die einzigen mit dieser glorreichen idee, am see herrschte das übliche feierabendgewimmel an leuten, jugendliche mit der bierdose in der hand, familien mit hund auf dem abendspaziergang und und und. wir ergatterten uns ein schattenplätzchen und für die schwimmer gab es zuerst grad mal eine abkühlung im doch noch recht frischen wasser, bevor wir uns über das mitgebrachte mahl hermachten.

nun müsst ihr vielleicht noch wissen, dass wir alle nicht grad die supermodels sind, bei manchen gibt es das ein oder andere pfund zu viel auf den hüften, pickel am rücken, oder bleiben auch im heissesten sommer schneeweiss.
uns stört das nicht.
aber doch so manch andere.
an die komischen blicke, die uns hie und da zugeworfen werden, sind wir gewöhnt. die sehen wir schon gar nicht mehr. dumme kommentare können wir leider jedoch nicht überhören.

und so kommt es, dass unser nachtmahl von einem eben solchen dummen kommentar unterbrochen wird. „wer so weiss ist, sollte nicht auch noch im bikini rumlaufen. das blendet ja richtig!“ oder „dicke in badehosen sind ja so hässlich!“
tja.
wir schauen uns alle an, machen uns parat, das gehörte zu ignorieren. wie schon so oft. doch da dreht sich eine bewohnerin um und ruft zurück:“du musst ja nicht hingucken, wenn es dich stört und gegen das blenden helfen sonnenbrillen. willst du meine ausleihen?“
tja. damit hatten wir die lacher auf unserer seite.

später am abend gab dieser vorfall aber doch noch zu reden, denn irgendwo sticht es einem schon ins herz, wenn andere (obwohl sie fremde sind) so über einem herziehen und urteilen. und wieder war es die gleiche bewohnerin, die anmerkte:“ich verstehe solche menschen nicht. ich würde so etwas nie sagen, nicht einmal denken. alle sind doch schön.“

so, und wer ist da jetzt behindert bitteschön!


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Verfasst von

Ich liebe Bücher, Katzen und Menschen. Und zwar in dieser Reihenfolge. Ausserdem koche und backe ich sehr gerne und liebe es auf Entdeckungsreise zu gehen.

8 Kommentare zu „[Plauderecke]: und wer ist jetzt behindert?

      1. liebe christine,
        ja, da stimme ich dir zu, solches verhalten ist wirklich traurig. und noch trauriger ist, dass es wohl immer menschen geben wird, die meinen sich so weit aus dem fenster lehnen zu dürfen. 😦
        herzlich,
        träumerherzchen

        Gefällt 1 Person

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